Die USA müssten sich entscheiden - «entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben», schrieb Irans Aussenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X mit Verweis auf Israels verheerende Luftangriffe im Libanon. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.
Der deutsche Leitindex rutschte unter sein Vortagestief und fiel zuletzt um 1,1 Prozent auf 23.814 Punkte. Tags zuvor war das Börsenbarometer nach der vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg zwischenzeitlich bis auf 24.163 Punkte gesprungen. Hier jedoch lief es sich im Bereich mehrerer technischer Trendbarometer - der einfachen 200-Tage-Durchschnittslinie sowie der 100- und 50-Tage-Linien - fest.
Der MDax mit den mittelgrossen deutschen Werten verlor am Donnerstag 0,8 Prozent auf 30.046 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es ebenfalls um 0,8 Prozent abwärts.
«Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte vierzehntägige Waffenruhe zeigt sich als ein sehr wackeliges Konstrukt», schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets. Es sei zu erwarten gewesen, dass sich die Verhandlungen und die Aufrechterhaltung der Waffenruhe als sehr schwierig zeigen werden. Die Situation im Iran ist dem Experten zufolge weiterhin verworren.
Die Ölpreise bleiben der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt und damit die Risikofreude der Anleger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni war tags zuvor mit fast 90 US-Dollar auf das tiefste Niveau seit Mitte März gesackt. Inzwischen kostet Brent-Öl wieder 98 Dollar. «Es zeichnet sich dadurch keine Entlastung für die energieabhängige deutsche Industrie und den europäischen Verbraucher ab», fuhr Lipkow fort.
Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus Activtrades mahnte insgesamt zur Vorsicht: «Die Angst vor neuen geopolitischen Beben bleibt das dominierende Narrativ.» Anleger reagierten extrem nervös auf jeden Newsticker - sei es zur finalen Öffnung der Strasse von Hormus oder gar zu den brandgefährlichen Diskussionen über einen US-Austritt aus dem Militärbündnis Nato.
Am Dax-Ende sackten die Aktien von SAP um 4,3 Prozent ab. Damit erwies sich der Kurssprung am Vortag als Strohfeuer. Die Softwarebranche leidet besonders unter den Anlegersorgen vor einer Verdrängung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Im MDax bekamen die Papiere von Lufthansa wieder die geopolitische Unsicherheit und den höheren Ölpreis zu spüren, der das Kerosin teurer macht. Die Anteilscheine büssten 3,3 Prozent ein. Als Belastung hinzukam, dass die Flugbegleiter des Konzerns für Freitag zu einem Streik aufgerufen sind. In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif bei der Lufthansa und nach Angaben der Gewerkschaft Ufo um eine fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Regionaltochter Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Die Lufthansa will mit zahlreichen Massnahmen dem geplanten Flugbegleiter-Streik entgegenwirken./la/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
(AWP)

