Am Montag war der Dax zunächst unter die Marke von 22.000 Punkten gesackt auf ein Tief seit etwa elf Monaten, bevor US-Präsident Donald Trump Hoffnung auf ein mögliches Abkommen mit dem Iran machte. Die Nachrichtenlage bleibt seitdem aber verworren und der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent verharrte klar über der Marke von 100 US-Dollar. Geprägt vom Iran-Krieg hat sich die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone im März verschlechtert.

In der zweiten deutschen Börsenliga sank der MDax am Nachmittag um 1,3 Prozent auf 27.865 Punkte, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx seine Verluste auf etwa ein Prozent ausweitete. In New York waren die wichtigsten Indizes auch schwächer in den Handel gestartet.

Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, erwähnte der Börsenbrief-Autor Hans Bernecker am Morgen wieder einmal den sogenannten «TACO-Trade», der für «Trump Always Chickens Out» steht und die Erwartung ausdrückt, dass der US-Präsident bei seinen Ankündigungen immer wieder Rückzieher macht.

Wegen der Wankelmütigkeit Trumps stellt Bernecker aber ein grosses Fragezeichen dahinter, ob ein baldiges Kriegsende realistisch ist. Das «Wall Street Journal» berichtete von der Befürchtung des Irans, dass verschobene Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes eher ein Versuch von Trump sein könnten, um die Ölpreise vorübergehend zu dämpfen.

Zur Belastung für den Dax wurden die 4,2 Prozent tieferen SAP-Aktien. Nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher optimistisches Votum für das Index-Schwergewicht aufgegeben hat, erreichten die Aktien ein Tief seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg argumentierte, das Bild einer erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich bei SAP geändert.

Auch die Bayer-Aktien waren mit 3,7 Prozent unter den grossen Dax-Verlierern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, hat die 2023 eingestiegene Beteiligungsgesellschsaft Inclusive Capital Partners des aktivistischen Investors Jeffrey Ubben ein Aktienpaket des Pharmakonzerns verkauft. Dabei wurde ein 25-prozentiger Abschlag zu dem Preis hingenommen, der Anfang 2023 bei der Bekanntgabe der Beteiligung bezahlt wurde.

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit im Zuge des Nahost-Konflikts sorgte die Deutsche Bank im Chemiesektor für Bewegung mit einer Reihe an Umstufungen. Dazu zählt, dass Analystin Virginie Boucher-Ferte in BASF und Brenntag letztlich Profiteure des Krieges sieht, die sie nun zum Kauf empfiehlt. Beide Aktien gehörten mit einer Erholung um bis zu 3,9 Prozent zu den Spitzenwerten im Dax.

Ohne eine Hochstufung der Deutschen Bank setzten aus dem Chemiesektor die Lanxess-Aktien ihre Erholung um sechs Prozent fort. Ein Börsianer verwies darauf, dass zuletzt vermehrt Anleger bei dem Spezialchemiekonzern auf fallende Kurse gesetzt hätten. Neuerdings wieder anziehende Kurse könnten auf die Schliessung solcher Positionen hindeuten, hiess es.

Im Nebenwertebereich gab es am Dienstag Zahlen von Nagarro , Indus Holding und Drägerwerk auszuwerten. Auffällig waren letztere Aktien: Indus-Titel profitierten mit 2.5 Prozent Plus von einer angehobenen Dividende. Drägerwerk stiegen um 3,6 Prozent, nachdem das Analysehaus MWB wegen «starker Zahlen» eine Kaufempfehlung aussprach.

Fast zehn Prozent grosse Kursgewinne gab es beim Prothesenhersteller Ottobock . Die Titel setzten ihre Erholung nach einer Kaufempfehlung der UBS fort. Analyst Graham Doyle schrieb in seiner Studie, dass er nach dem massiven Kursrutsch inzwischen ein klares Chancen-Übergewicht sieht./tih/jha/

(AWP)