Etwa zwei Stunden vor Handelsbeginn taxierte der Broker IG den Dow Jones Industrial 0,5 Prozent tiefer auf 47.712 Punkte. Er würde damit seinen schwachen Wochentrend mit einem Minus von mehr als zwei Prozent in fünf Tagen bestätigen.
Deutlich besser steckte die Inflationssorgen bisher der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 weg, obwohl er wie der Dow am Dienstag auf ein Jahrestief gerutscht war. Er wird nun aber mit einem deutlicheren Abschlag von 0,8 Prozent bei 24.824 Punkten erwartet und würde auf Wochensicht zurück ins Minus drehen.
«Stell dir vor, es ist Arbeitsmarktbericht und keiner schaut hin» - so stellte der Devisen- und Rohstoffmarktexperte Volkmar Bauer von der Commerzbank die Anleger auf die eher geringe Bedeutung des sonstigen Highlights ein. «Der Markt hat in der letzten Woche eine Zinssenkung bis Ende des Jahres ausgepreist.» Anstelle von zweieinhalb Schritten würden inzwischen nur noch anderthalb erwartet.
Die Inflation sei sowieso noch recht hoch gewesen. Hierzu habe sich nun der sprunghafte Anstieg der Benzinpreise gesellt. Sollte dieses Niveau anhalten, würde dies alleine den Verbraucherpreisindex um 0,3 Prozentpunkte nach oben jagen.
Entscheidend für die Anlegerstimmung ist zunächst, wie lange die kriegerische Auseinandersetzung im Nahen Osten wohl dauern wird und wann sich Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus - einem Nadelöhr des globalen Öl- und Erdgashandels - wieder normalisiert. Noch setzen viele Experten in ihren Basisszenarien auf einen kurzen Krieg.
Profiteure der hohen Energiepreise sind neben Öl- und Gaskonzernen die Produzenten von Polyethylen wie Lyondell und Dow. Für letztere sprach der JPMorgan-Analyst Jeffrey Zekauskas nun eine Empfehlung aus, weil er Nachholpotenzial gegenüber Lyondell sieht. Für die Preisentwicklung des Kunststoffs ist er sehr bullisch. Dow-Aktien kletterten vorbörslich um 3 Prozent nach bisher 10 Prozent Wochenplus. Lyondell zogen nach fast 15 Prozent Wochengewinn kaum noch an.
Um 12,5 Prozent aufwärts ging es für Marvell Technology nach einem starken Ausblick. Vivek Arya von der Bank of America sprach eine Kaufempfehlung aus. Die Telefonkonferenz nach dem Geschäftsbericht habe das Vertrauen darin bestärkt, dass Marvell stark von der KI-bedingten Nachfrage nach optischen Halbleitern profitieren wird, so Arya. Zudem sei der Erfolg des Partners Microsoft mit kundenspezifischen Chips für die Cloud-Infrastruktur klarer absehbar.
Deutlich abwärts ging es derweil mit 8 Prozent für Gap. Old Navy, die grösste Marke des Modehändlers, enttäuschte zum Jahresende 2025 beim Wachstum. Auch der Margen-Ausblick von Gap blieb unter den Erwartungen./ag/stk
(AWP)

