Vor dem verlängerten Wochenende war auch von Gewinnmitnahmen die Rede, weil am kommenden Montag in New York wegen eines Feiertags nicht gehandelt wird. Diese zeigten sich relativ ausgeprägt beim Technologie-Schwergewicht Nvidia . Gewinnmitnahmen seien auch gesund, zumal das Thema Künstliche Intelligenz (KI) vorerst etwas ausgereizt sei, sagte ein Marktbeobachter.

Nach etwas mehr als einer Handelsstunde sank der Leitindex Dow Jones Industrial um 0,41 Prozent auf 45.450 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,74 Zähler auf 6.454 Zähler bergab. Der technologielastige Nasdaq 100 gab um 1,27 Prozent auf 23.403 Punkte nach.

Während die Woche moderate Verlust aufweist, kann die Freitagsschwäche der positiven Monatsbilanz wenig anhaben. Trotz eines sehr schwachen Beginns zeichnen sich im August für alle drei Indizes Gewinne zwischen 0,8 und drei Prozent ab.

Experten der Berenberg Bank glauben, dass das weitere Aufwärtspotenzial zumindest kurzfristig begrenzt bleibt. Verwiesen wurde auch auf die Saisonalität angesichts des anstehenden Monatswechsels. Laut dem IG-Markets-Experten Christian Henke fällt die Bilanz des Septembers «bekanntlich nicht allzu rosig aus», bevor dann im Oktober der «goldene Herbst» wieder einmal ein beeindruckendes Schlussquartal einleiten könnte.

Mehr und mehr wird auch hinterfragt, wie weit das Trendthema KI die sieben bedeutendsten US-Technologiewerte noch treiben kann. Unter diesen überwogen am Freitag denn auch die Verlierer: Während sich zuletzt nur Apple knapp über Wasser halten konnte, erwischte es die KI-Aktie schlechthin, Nvidia , umso deutlicher. Sie sackte um 3,5 Prozent ab und knüpfte so an die Schwäche an, die am Vortag nah am Rekordhoch eingeleitet wurde.

In den Software-, Chip- und IT-Sektoren, die den KI-Megatrend mitprägen, gab es vor dem Wochenende nochmals Quartalsbilanzen mit Licht und Schatten zu verarbeiten. Papiere des Halbleiterunternehmens Marvell Technology brachen belastet von einem enttäuschenden Umsatz im Geschäft mit Rechenzentren um 17 Prozent ab. Auch der Computerhersteller Dell enttäuschte mit seinen KI-Servern. Seine Aktien verloren neun Prozent.

Besser sah es für Affirm Holdings mit einem Kurssprung um 13 Prozent aus. Das Finanztechnologie-Unternehmen schaffte im vierten Geschäftsquartal dank seines deutlichen Umsatzwachstums den Sprung in die Gewinnzone. Adam Frisch vom Analysehaus Evercore ISI schrieb, die Zahlen erinnerten daran, welch umfangreiche Wachstumschancen von Affirm mit neuen Regionen, Produkten und Kunden noch nicht realisiert seien.

Den Papieren des Konstruktionssoftware-Anbieters Autodesk verhalf eine unerwartet gute Gewinnprognose zu einem fast sieben Prozent grossen Plus. «Unserer Ansicht nach war dieser Quartalsbericht einer der saubersten, den wir bisher in dieser Berichtssaison im Bereich Apps und Software-as-a-Service gesehen haben», schrieb UBS-Expertin Taylor McGinnis.

Titel von SentinelOne profitierten mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent von einem angehobenen Umsatzausblick. Das Cybersecurity-Unternehmen habe mit seinem jährlich wiederkehrenden Umsatz überzeugt, schrieb Fachmann Brian Essex von der US-Bank JPMorgan.

Ein Verlierer im Tech-Bereich waren die Aktien von Intel , die zwei Prozent verloren. Wie aus einem Dokument hervorgeht, will die US-Regierung eine bisher geltende Ausnahme von umfassenden Beschränkungen widerrufen, die dem Prozessorhersteller sowie seinen Branchenkonkurrenten SK Hynix und Samsung bislang den Verkauf von Halbleitern nach China ermöglicht.

Unter den Dow-Mitgliedern fiel neben Nvidia die vier Prozent schwächere Caterpillar-Aktie als grösster Indexverlierer auf. Der Baumaschinenhersteller wird beim Thema Zölle skeptischer. Die damit einhergehenden Belastungen könnten grösser sein als zunächst gedacht, hiess es./ajx/tih/he

(AWP)