Die Anleger seien insgesamt verunsichert über die Entwicklung von Konjunktur und Zinsen, sagt ein Händler. Denn zuletzt seien einige Wirtschaftsdaten besser als erwartet ausgefallen. Dies habe wieder Inflationssorgen geschürt. Es könnte also auch sein, dass das Fed noch mehr tun müsse, um die Wirtschaft zu bremsen, sagt ein Analyst. "Eine Gratwanderung für Fed-Chef Jerome Powell", fasst er die Ausgangslage zusammen. Er müsse in seiner Rede seine Absichten möglichst klar ausdrücken, ohne die Märkte zu verschrecken. Derweil lassen die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone die Gewinne an europäischen Märkten etwas abschmelzen. Bei den Eurozone-PMIs schnitt der PMI Dienste schlechter und der PMI Industrie etwas besser als erwartet ab. Beide Teilindizes stehen aber klar unter der Marke von 50 Punkten, was auf eine weiterhin schrumpfende Wirtschaft hindeutet. Am Nachmittag wird auch in den USA ein PMI und nach Börsenschluss zudem der Zwischenbericht des Halbleiterkonzerns Nvidia veröffentlicht.
Der SMI notiert gegen 10.35 Uhr um 1,13 Prozent höher bei 10'998,21 Punkten. Kurzzeitig stieg der Leitindex gar über 11'000 Zähler. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewinnt 0,78 Prozent auf 1724,47 und der breite SPI 0,96 Prozent auf 14'484,08 Zähler. Im SLI ziehen 23 Titel an und sieben sind schwächer.
Den stärksten Anstieg gibt es bei Roche (+4,0%). Der Pharmakonzern meldet ein Datenleck bei einem Forschungsprogramm. Dabei wurde eine Zwischenanalyse einer Studie mit dem Krebs-Therapeutikums Tiragolumab unbeabsichtigt veröffentlicht. Daraus gingen positive Signale hervor, heisst es am Markt. Laut Analysten kann aber nicht gesagt werden, ob die positive Reaktion am Markt nicht verfrüht ist.
Eine weitere Stütze des SMI bilden die Aktien von Nestlé, die um 0,9 Prozent auf 105,10 Fr. steigen und sich damit von der psychologischen Marke von 100 Franken weiter nach oben wegbewegten, sagt ein Händler.
Ebenfalls klar im Plus sind Swiss Re, Givaudan, Lonza und UBS mit Gewinnen von bis zu 1,3 Prozent. Bei Lonza (+0,8%) verweisen Händler auf den Kursanstieg des US-Konzerns Moderna, für den Lonza den Coronawirkstoff produziert. Ein US-Regierungsbeamter hatte die Amerikaner aufgefordert, ihre Corona-Impfung auffrischen zu lassen. Dies hatte die Moderna-Aktien um 4,7 Prozent steigen lassen.
Auf der anderen Seite fallen VAT, Kühne+Nagel, Sonova und Alcon zwischen 0,5 und 0,9 Prozent. Adecco, Holcim und Schindler ermässigen sich zwischen 0,1 und 0,2 Prozent.
Am breiten Markt wechseln derweil die Aktien von Autoneum immer wieder das Vorzeichen. Aktuell notieren sie um 0,8 Prozent tiefer. Dabei hat der Autozulieferer die Erwartungen klar übertroffen.
Peach Property (unv.) machen anfängliche Verluste wett. Zwar hat das Immobilienunternehmen aufgrund von Abwertungen einen hohen Verlust eingefahren. Der Verlust sei weniger schlimm als befürchtet und das operative Wachstum sei zudem solide.
Dagegen haben Sensirion (Aktie -2,6%) und Orior (Aktie -4,7%) das erste Halbjahr deutlich schlechter als erwartet abgeschlossen. Dagegen steigen Gurit nach der Hochstufung des Ratings auf "Outperform" von zuvor "Underperform" durch die CS um 3,9 Prozent.
pre/ys