Der Mechanismus seit Beginn des Konflikts ist immer gleich: Ölpreis rauf, Aktienkurse runter - und umgekehrt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent hat in der Nacht auf Freitag wieder die Marke von 100 US-Dollar geknackt. Aktuell kostet ein Barrel rund 102 Dollar.

Am Montag war der Ölpreis mit fast 120 Dollar noch auf den höchsten Stand seit 2022 geschossen. Die Freigabe von Reserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) hat zwar etwas Druck aus dem Kessel genommen - insgesamt bleibt die Lage aber angespannt.

Sollten die hohen Energiepreise die Inflation nachhaltig ansteigen lassen, droht der Wirtschaft eine zusätzliche Belastung. Bereits setzten viele Investoren darauf, dass die EZB wegen der steigenden Energiepreise bald die Zinsen anhebt.

Russland-Sanktionen gelockert

In einem weiteren Versuch, die Spannungen auf der Angebotsseite etwas zu lindern, kündigten die USA am späten Donnerstag an, vorübergehend den Verkauf von auf Schiffen gelagertem russischem Öl zu erlauben.

Die Stimmung kann aber jederzeit wieder brenzlig werden. Denn der Iran droht mit Angriffen auf die Öl- und Gasvorkommen der Region und griff bereits Öltanker im Persischen Golf an. Gleichzeitig hat der Iran offenbar auch damit begonnen, die Seestrasse von Hormus zu verminen.

Wochenminus von 3 Prozent

Der SMI fällt gegen 09.15 Uhr um 0,85 Prozent auf 12'732,51 Punkte zurück. Auf Wochensicht zeichnet sich ein Minus von fast 3 Prozent ab. Von den 20 SMI-Titeln geben alle ausser Lindt & Sprüngli (+0,2 Prozent) und Zurich Insurance (+0,1 Prozent) nach. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte sinkt um 0,65 Prozent auf 2936,26 und der breite SPI 0,91 Prozent auf 17'786,41 Punkte.

Marktbeobachter wären nicht überrascht, würden die Kurse in der Schweiz im Tagesverlauf noch weiter abbröckeln. Denn Investoren könnten vor einem potenziell ereignisreichen Wochenende kalte Füsse bekommen und sich wieder zurückziehen.

Das Newsaufkommen in der Schweiz hält sich derweil in Grenzen. Das gibt den Anlegern etwas Raum und Zeit, die am Vortag publizierte Flut an Abschlüssen zu verdauen. So hat es etwa für Geberit (-1,1 Prozent) am Berichtstag nicht weniger als vier Kurszielsenkungen gehagelt.

Noch tiefer notieren Amrize (-3,3 Prozent), Julius Bär (-2,2 Prozent) und Richemont (-1,7 Prozent). ABB verbilligen sich um 1,5 Prozent. Lauf Händlern steigt bei den Anlegern die Angst vor einer Grossübernahme. Denn Verwaltungsratspräsident Peter Voser hat sich in einem Reuters-Interview bereit gezeigt für eine aggressivere Akquisitionsstrategie.

Die am Vortag nach Zahlen gesuchten Peptidhersteller tendieren uneinheitlich. Während Bachem (+0,8 Prozent) nach einer Kurszielerhöhung durch die UBS weiter zulegen, wird bei Polypeptide (-7,3 Prozent) ein Grossteil der Vortagesgewinne bereits wieder vom Tisch genommen.

ra/cg

(AWP)