Was lange als geopolitisches Hintergrundrauschen wahrgenommen worden sei, werde jetzt als reales Marktrisiko eingepreist. Der Faktor Energie und die Entwicklung des Ölpreises seien dabei die neuralgischen Punkte. Je länger der Krieg andauert, desto grösser werden zudem die Auswirkungen auf den Öltransport, heisst es am Markt.
Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent steht aktuell bei 81,79 Dollar. Bereits werden am Markt Prognosen von über 100 Dollar herumgereicht. Optimistische Stimmen halten dagegen auch ein baldiges Ende der militärischen Auseinandersetzung und Normalisierung des Ölpreises für möglich.
Typisches Muster
Die Marktreaktionen würden bislang weitgehend dem typischen Muster bei geopolitischen Krisen mit Risiko eines Rohstoff-Angebotsschocks entsprechen, heisst es am Markt. Diese seien üblicherweise von fallenden Aktienkursen, einem moderaten Anstieg des US-Dollars und höheren Öl-Preisen begleitet. Nicht ganz in dieses Playbook passen am Dienstag die nachgebenden Preise für Gold und Silber sowie der tendenziell schwächere Schweizer Franken.
Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 2,7 Prozent auf 13'459,61 Punkte. Damit hat sich der Kursrutsch im Vergleich zum Montag (-1,2 Prozent) deutlich beschleunigt. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte fällt um 2,47 Prozent auf 3042,62 und der breite SPI um 2,66 Prozent auf 18'521,80 Zähler. Gleichzeitig schnellt der Volatilitätsindex VSMI um 18 Prozent in die Höhe. Er gilt als Gradmesser der Nervosität.
Auch an den wichtigsten europäischen Börsen geben die Leitindizes am Dienstag stärker nach als noch am Montag. Dabei verliert der energiepreissensitive DAX 3,3 Prozent und der französische CAC 40 2,7 Prozent. Auch deuten die US-Futures auf einen tiefroten Handelsstart der US-Börsen hin.
Sämtliche SMI-Titel im Minus
Am Dienstag sind sämtliche Einzeltitel im Leitindex SMI im Minus. Die grössten Abgaben verbuchen unter den Blue Chips Zurich (-6,3 Prozent auf 538,80 Fr.). Der Versicherer hat ein verbindliches Angebot für Beazley vorgelegt und zur Finanzierung der Milliardenübernahme eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Rund 7 Millionen Aktien wurden zu 550 Franken bei Investoren platziert.
Auch die Finanzwerte UBS, Julius Bär und Partners Group sowie die weiteren Versicherer Swiss Life und Swiss Re geben jeweils mit Verlusten von über 4 Prozent überdurchschnittlich nach.
Vergleichsweise gut halten sich dagegen das Schwergewicht Nestlé (-1,1 Prozent) und Swisscom (-1,1 Prozent). Ebenfalls etwas besser als der Markt halten sich Kühne+Nagel (-1,4 Prozent). Allerdings haben die Aktien des Logistikkonzerns die Gewinne zum Börsenstart nach Zahlen im Handelsverlauf wieder eingebüsst.
Auch in den hinteren Reihen dominiert ganz klar die Farbe Rot. So gibt der Vakuumventil-Hersteller VAT (-4,2 Prozent) nach Zahlen für 2025 deutlich nach. Ebenfalls klar im Minus sind nach Jahreszahlen Arbonia (-11,9 Prozent) und Forbo (-5,9 Prozent). Gut aufgenommen werden dagegen die Resultate von Bucher (+0,9 Prozent) und der Aktienrückkauf von Also (+3,0 Prozent).
an/ys
(AWP)

