Und doch bleibt die Stimmung angespannt. Die Märkte glichen einem «völlig unberechenbaren Spielball des globalen geopolitischen Chaos», kommentiert ein Händler. In diesem Umfeld brauchten Anleger «Nerven aus Drahtseil». Nachdem am Vortag die Nachrichten über diplomatische Fortschritte bei den US-Iran-Verhandlungen noch die Ölpreise nach unten und Aktien nach oben geschoben hatte, hat sich dieser Effekt wieder klar abgeschwächt. Ausserdem bleibe die Gefahr, dass US-Präsident Donald Trump mit seinem Poker aus Zuckerbrot und Peitsche nicht den erhofften Erfolg erziele.

Sichtbare Belastungen

Dass die Sperrung der Strasse von Hormus zu einer immer grösseren konjunkturellen Belastung wird, zeigen auch die am Morgen publizierten Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone. «Das sieht nicht gut aus», titelt den auch die VP Bank in einem ersten Kommentar. «Mittlerweile geht es nicht nur um höhere Energiepreise, sondern auch um physische Knappheiten. Dies schlägt sich in einer deutlichen Verschlechterung des Einkaufsmanagerindex nieder». Und selbst wenn die Sperrung zeitnah beendet würde, dürften sich die Folgen deutlich länger auswirken, heisst es in aktuellen Studien.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 11.05 Uhr bei 13'439,98 Punkten um 0,30 Prozent höher. Mittlerweile überwiegen die Gewinner (17) klar. Der SMIM der mittelgrossen Werte steigt um 0,36 Prozent auf 3014,83 Punkte und der breite SPI um 0,27 Prozent auf 19'001,80 Zähler.

Nachzügler gesucht

Bei den Blue Chips ziehen mit Sika, Alcon oder auch Amrize und Geberit vor allem jene Werte an, die im bisherigen Jahresverlauf eher schwach abgeschnitten haben. Dabei gewinnen die Papiere zwischen 1,8 und 0,8 Prozent hinzu.

Daneben sind auch die Aktien vom Versicherer Swiss Life (+0,6 Prozent) nach Zahlen im Gewinnerfeld zu finden. Die am Morgen vorgelegten Zahlen zu den Prämienvolumen haben etwas über den Erwartungen gelegen, wobei insbesondere der Heimmarkt Schweiz positiv überrascht hat. Die ersten Kommentare von Analysten sind tendenziell wohlwollend, aber nicht vor Begeisterung überschäumend.

Tendenziell stützend sind auch die beiden Pharmaschwergewichte Novartis (+0,6 Prozent) und Roche (+0,2 Prozent). Nestlé (+0,1 Prozent) hinken etwas hinterher, weisen aber zumindest ein positives Vorzeichen auf.

Klar abwärts geht es derweil für die Aktien der Swiss Re (-2,3 Prozent). Die UBS hat neu eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen, was nun auf den Titeln lastet.

Kein Nvidia-Feuerwerk

Auch Logitech (-1,8 Prozent) haben ihre jüngste Aufwärtsbewegung unterbrochen. Händler verweisen auf verschiedene Zahlen aus dem Sektor, allen voran die vom KI-Riesen Nvidia. Dabei hat der Konzern erneut Rekordzahlen geliefert. «Das Fehlen jeglicher Umsätze in China im Ausblick und die Prognosen, die nur leicht über den Erwartungen lagen, liessen bei einigen Anlegern den Wunsch nach etwas mehr Feuerwerk aufkommen», urteilt ein Marktakteur. Dies belastet in den nachgelagerten Reihen auch Werte wie VAT, Inficon oder Ams Osram, wie Abgaben von bis zu 2,6 Prozent zeigen.

Zudem sorgen Analystenkommentare für Bewegung. Sowohl Flughafen Zürich (+2,1 Prozent) als auch Lindt&Sprüngli (+1,6 Prozent) gewinnen, nachdem sie jeweils hochgestuft wurden. Burckhardt Compression (-3,5 Prozent) werden nach einer deutlichen Kurszielsenkung dagegen gemieden. Auch charttechnisch deute bei Burckhardt derzeit nichts auf steigende Kurse hin, attestiert ein Experte.

Zudem feiert die Schweizer Börse einen Neuzugang: Die Papiere des schweizerisch-niederländischen Chemiekonzerns DSM-Firmenich sind erstmals hierzulande handelbar. Aktuell kosten die Papiere 62,97 Franken, der erste Kurs war bei 62,80 Franken gestellt worden.

hr/ra

(AWP)