Allerdings fielen die Verluste letztlich nicht ganz so markant aus, nachdem der Leitindex im Handelsverlauf zeitweise mehr als 1 Prozent im Minus gestanden hatte. Der Grund war ein am späten Nachmittag veröffentlichter US-Medienbericht, wonach ein Deal zwischen den USA und dem Iran auf dem Tisch liege - und nur noch auf die Zustimmung des US-Präsidenten warte.
Konkret sollen sich die Unterhändler laut der Nachrichtenwebsite «Axios» auf eine 60-tägige Absichtserklärung zur Verlängerung des Waffenstillstands geeinigt haben. Auch die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollten beginnen. Dies drückte den Ölpreis vorübergehend auf rund 92 US-Dollar für ein Fass der Sorte Brent.
«Nur trockene Unterschrift zählt»
Doch dies alles reichte nicht für einen Vorzeichenwechsel. «Wie oft stand schon ein Kompromiss in Aussicht, und wie oft wurden die Anleger enttäuscht», kommentierte ein Marktbeobachter. «Erst wenn die Unterschrift trocken ist, kann man über eine Neupositionierung am Aktienmarkt nachdenken», fügte er an.
Der KI-Euphorie scheine zumindest für den Moment der Schnauf etwas ausgegangen zu sein, wurde die am Berichtstag generell schlechte Stimmung ausserdem erklärt. Für Verunsicherung sorgten am Morgen auch verschiedene Angriffe im Nahen Osten, die eher auf Eskalation als auf Entspannung deuteten.
Nur vier Gewinner im SMI
Der Swiss Market Index (SMI) schloss um 0,90 Prozent tiefer auf 13'504,76 Punkten. Der SMIM der mittelgrossen Werte gab um 0,47 Prozent auf 2989,95 und der breite SPI um 0,76 Prozent auf 19'084,30 Zähler nach.
Obwohl damit die Gewinnserie zu Ende gegangen ist, hat sich das charttechnische Bild laut den Analysten von BNP Paribas nicht markant eingetrübt. Die nächste charttechnische Unterstützung befinde sich beim April-Hoch von 13'427 Stellen.
Finanztitel unter Druck
Bei den Blue Chips schlossen 16 der 20 Titel im Minus. Einen schweren Stand hatten insbesondere Finanztitel, die europaweit nachgaben. Hierzulande traf dies insbesondere auf Swiss Life, Swiss Life und Zurich zu, die mit Verlusten von 2,2 bis 2,5 Prozent das Schlusstrio im SMI bildeten. Am breiten Markt fielen weitere Branchenvertreter wie Julius Bär oder Helvetia Baloise mit Abgaben in ähnlicher Grössenordnung auf.
Auch die schwergewichtigen Nestlé (-1,5 Prozent) gaben überdurchschnittlich nach. Die beiden Pharma-Indexschwergewichte Novartis (-1,1 Prozent) und Roche (-0,6 Prozent) vermochten im Tagesverlauf die Verluste zwar etwas einzugrenzen. Laut Händlern waren gleichwohl bei allen drei nach einem guten Lauf in den beiden letzten Wochen Gewinnmitnahmen zu beobachten.
Verluste von über 1 Prozent erlitten ausserdem noch Alcon und Swiss Re.
Die grössten Gewinne verbuchten im SMI Kühne+Nagel (+1,4 Prozent). Händler verwiesen auf einen Bericht, wonach die Logistikbranche von den aktuellen Marktschwierigkeiten profitieren könnte.
Aufwärts ging es ausserdem mit Logitech (+1,3 Prozent), Lonza (+1,1 Prozent) und Amrize (+0,1 Prozent). Logitech wurden gemäss Börsianern etwas gestützt vom Rückenwind durch die guten Zahlen von Micron und der Abwendung des Generalstreiks bei Südkoreas grösstem Konzern Samsung.
Im SMIM zogen Sandoz (+1,2 Prozent) die Blicke auf sich. Die Generikaherstellerin hat bei der Europäischen Kommission einen wegweisenden Entwurf für eine Anti-Dumping-Beschwerde gegen chinesische Importe des Antibiotika-Wirkstoffs Amoxicillin API eingereicht.
Im breiten Markt gaben Galenica (-0,7 Prozent) nach Zahlen leicht nach. Lem (+3,9 Prozent) zogen derweil den dritten Tag in Folge deutlich an. Befeuert werden die Gewinne von Übernahmefantasien und weiteren Kurszielerhöhungen.
rw/to
(AWP)
