Von Unternehmensseite war es der ereignisreichste Tag der Woche mit 15 Unternehmensabschlüssen - davon mit Nestlé, Roche, Givaudan und Kühne+Nagel gleich vier SMI-Konzerne. Während einerseits die Flut an Unternehmenszahlen für Bewegung sorgte, trieb die anhaltende Eskalation im Nahen Osten den Ölpreis weiter nach oben bis auf über 101 US-Dollar (+7,4 Prozent).
Derweil bleiben die Leitzinsen im Euroraum trotz anhaltender Inflationsgefahren - wie am Markt erwartet - vorerst unverändert. Eine Anhebung könnte es jedoch im September geben: Die Risiken für die Teuerung sind nicht gebannt, solange der Iran-Krieg andauert. Zukünftige Entscheidungen der EZB würden davon abhängen, ob höhere Energiepreise Zweitrundeneffekte auslösten oder die Löhne, kommentierte EFG-Chefökonom Stefan Gerlach.
Inflationssorgen belasten Firmen
Der Leitindex SMI verlor 0,7 Prozent auf 14'214,95 Punkte und schloss damit klar näher am Tageshoch bei 14'245 Punkten. Im Tief hatte er 14'058 Zähler erreicht. Lediglich vier der 20 Blue Chips gingen mit einem Plus aus dem Handel.
Der SMIM gab um 0,81 Prozent auf 3065,88 Zähler nach und der breite SPI um 0,79 Prozent auf 19'932,10 Punkte. Auch andere wichtige europäische Aktienmärkte gerieten teils noch deutlich stärker unter Druck, und die US-Indizes notierten zur Berichtszeit ebenfalls tief im roten Bereich.
Für den grössten Belastungsfaktor im SMI sorgten Nestlé (-8,0 Prozent) mit einem heftigen Kursabsturz. Die Gewinne im laufenden Jahr waren damit fast vollständig ausradiert. Am Markt stiessen insbesondere das angekündigte Joint Venture für das Wassergeschäft sowie der vorsichtigere Margenausblick auf Skepsis. Ebenfalls massiv unter Druck standen Givaudan (-6,1 Prozent) nach einer Margenenttäuschung.
Auch Kühne+Nagel (-1,7 Prozent) legten trotz guter Zahlen eine Verschnaufpause ein, wie es im Handel hiess. Im bisherigen Jahresverlauf hatten sich die Titel mit einem Kursplus bis zum Mittwochabend von mehr als einem Fünftel gut geschlagen.
Roche an der Spitze
Auf der Gegenseite führten dagegen Roche (+5,1 Prozent) mit Abstand die SMI-Gewinnerseite an. Der Pharmakonzern konnte insbesondere den Gewinn kräftig steigern und bestätigte seine Ziele.
Fester tendierte zudem im Fahrwasser von Roche auch das dritte Schwergewicht Novartis (+1,9 Prozent), das am Dienstag mit seinen Q2-Zahlen ebenfalls eher überzeugt hatte. Bei Lonza (+1,1 Prozent) verwiesen Händler auf gleich mehrere Schätzungs- und Kurszielerhöhungen im Anschluss an die Halbjahreszahle vom Mittwoch.
Am breiten Markt wurden Lindt&Sprüngli (-3,0 Prozent) und Barry Callebaut (-2,9 Prozent) von Nestlé in Sippenhaft genommen. Bei Cicor (-12 Prozent) hätten die Investoren nach dem Kurssprung vom Vortag von 17 Prozent Gewinne mitgenommen, hiess es am Markt.
Viel Schatten, etwas Licht
Temenos (-8,1 Prozent) brachen nach Quartalszahlen vom Vorabend ein, und auch Dätwyler (-6,7 Prozent) und Bystronic (-6,3 Prozent) gehörten nach ihren Zahlen zu den grössten Verlierern. Auch Galderma (-2,7 Prozent) gaben trotz solider Resultate nach.
Weiter runter ging es zudem bei EFG (-5,7 Prozent), nachdem die Aktie schon am Vortag nach Ergebnissen um 5,6 Prozent eingebüsst hatte. Jemand aus dem exekutiven Topmanagement stiess am Berichtstag Aktien im Wert von über 1,3 Millionen Franken ab.
Dagegen legten aus der zweiten Reihe Cosmo (+7,8 Prozent) und Bellevue (+0,9 Prozent) nach Zwischenberichten zu. Bossard (+4,4 Prozent auf 235 Fr.) profitierten von einer starken Kurszielerhöhung aus Bewertungsgründen durch die UBS auf 220 Franken von zuvor 156 Franken. Die Titel haben damit um 50 Prozent zugelegt seit Ende 2025.
Für Sandoz (+0,9 Prozent) gab es nach der Strafzoll-Drohung seitens US-Präsident Donald Trump gleich mehrere Analysten mit verteidigenden Kommentaren.
ys/jb
(AWP)
