An den Aktienmärkten überwog nach den kräftigen Kursgewinnen vom Mittwoch eine vorsichtigere Haltung. Auch im übrigen Europa gaben die Börsen nach den starken Vortagesgewinnen nach. «Die Anleger zeigen wieder etwas Vorsicht, da die Euphorie über eine mögliche schnelle Lösung des Konflikts langsam nachlässt», erklärte David Morrison von Trade Nation. Ausstehend war zuletzt eine Antwort Teherans auf den jüngsten Vorschlag aus Washington, um den Nahost-Krieg dauerhaft zu beenden und die strategisch wichtige Strasse von Hormus wieder zu öffnen.

Gleichzeitig verstärkten sich die Sorgen vor steigender Inflation weltweit. Norwegens Zentralbank hob den Leitzins überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent an. Sie ist die erste grosse Zentralbank, die seit dem Krieg im Iran wieder die Zinsen erhöht hat. «Die Inflation ist zu hoch und liegt seit mehreren Jahren über dem Zielwert», erklärte Notenbank-Chefin Ida Wolden Bache.

Positiver Wochensaldo bleibt in Reichweite

Nach zwei Gewinntagen in Folge tauchte der SMI wieder. Ein positiver Wochensaldo bleibt trotzdem in Reichweite, nach zuvor zwei Wochen mit rückläufigen Kursen. Der SMI schloss 1,1 Prozent tiefer bei 13'135,43 Punkten. 14 der 20 SMI-Titel erlitten Verluste. Einer blieb stabil.

Der SMIM mit den mittelgrossen Werten verlor 0,9 Prozent auf 3022,08 und der breite SPI 0,7 Prozent auf 18'636,58 Zähler.

Grösste Verlierer waren Swiss Re (-3,2 Prozent). Der Rückversicherungskonzern hatte mit seinen am Morgen vorgelegten Erstquartalszahlen die Erwartungen am Markt teils zwar übertroffen. Überschattet wurde das Ergebnis aber vom Preisrückgang in der April-Vertragserneuerungsrunde. Die Gewinne des Vortages von knapp 3 Prozent lösten sich damit wieder in Luft auf.

Auch Alcon (-2,9 Prozent) gaben nach. Die Titel des Augenheilkonzerns setzten damit nach dem Einbruch vom Vortag von über 10 Prozent den Abwärtstrend fort. Dahinter folgte das Schwergewicht Novartis (-2,0 Prozent).

Swisscom (-0,3 Prozent) nach Zahlen konnte seine Verluste im Tagesverlauf fast ausgleichen. Die Q1-Zahlen des Telekommunikationskonzerns sind gemischt ausgefallen. Während Swisscom beim operativen Gewinn die Analystenerwartungen übertraf, blieb das Unternehmen sowohl beim Reingewinn als auch beim Umsatz hinter den Prognosen zurück.

Am anderen Ende zogen - von Konjunkturhoffnungen getrieben - Logitech (+2,5 Prozent) klar an. Am Vortag hatten die Papiere im Anschluss an eigentlich gut aufgenommene Zahlen wenig verändert schlossen. Am Berichttag rückten sie aber nach zwei Kurszielerhöhungen deutlich an die Tabellenspitze vor. Dahinter folgten Richemont (+1,8 Prozent) und Geberit (+0,8 Prozent).

KI-Euphorie bei AMS Osram

Von den Schwergewichten tauchten Novartis (-2,0 Prozent) und Nestlé (-1,4 Prozent) nach einem freundlichen Start in die Verlustzone. Auch Roche (-1,1 Prozent) gaben merklich nach.

Im breiten Markt gerieten vorab Valiant (-9,1 Prozent) nach Zahlen zum ersten Quartal massiv unter Druck. Analysten zeigten sich vom geringen Gewinnwachstum enttäuscht. Aber auch Gewinnmitnahmen dürften eine Rolle gespielt haben.

Dagegen schossen AMS Osram (+29,1 Prozent) nach Oben. Ankündigungen zu Geschäftsfeldern im Bereich Künstliche Intelligenz lösten eine regelrechte Euphorie für die Zukunft aus.

Auch Ypsomed (+7,2 Prozent) legten kräftig zu. Rückenwind erhielten die Titel laut Händlern von einer Hochstufung durch Exane BNP Paribas auf «Outperform» von zuvor «Underperform». Zudem stützte eine strategische Entscheidung von Novo Nordisk, die Ypsomed die Umsätze mit dem Pharmakonzern länger sichern sollte.

to/ra

(AWP)