Die Finanzmärkte hätten inzwischen eine gewisse Resilienz gegenüber dem permanenten Krisenrauschen im Nahen Osten entwickelt, auch wenn eine anhaltende Eskalation die Risikobereitschaft der Investoren jederzeit wieder dämpfen könne, sagte ein Marktbeobachter. Zudem kamen die Zahlen von Intel und SAP bei den Anlegern sehr gut an.

Dass die Ölpreise wieder spürbar sanken, begründeten Marktbeobachter mit Gewinnmitnahmen, denn die kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost gehen unvermindert weiter. Inzwischen versucht US-Präsident Donald Trump im Konflikt um die Strasse von Hormus, den Druck auf den Iran zu erhöhen. «Es stellt sich die Frage, ob der Ölpreis nachhaltig unter der Marke von 100 Dollar pro Fass bleibt», sagte ein Händler. Deshalb sehen Experten an den US-Börsen noch keine Rückkehr zu grösserer Risikobereitschaft.

Nestlé und Roche ziehen hoch

Der Leitindex SMI kletterte zum Handelsschluss um 0,79 Prozent auf 14,327,20 Punkte. Damit hat der SMI in der ganzen Woche ein ganz leichtes Minus von 0,1 Prozent eingefahren. Am Freitag zeigten von den 20 Titeln im SMI 18 Kursgewinne. Der Index der mittelgrossen Unternehmen SMIM stieg derweil um 0,45 Prozent auf 3079,55 Zähler, während der breite SPI um 0,69 Prozent auf 20'069,67 Punkte zulegte.

Grösste Treiber im SMI waren die beiden Schwergewichte Nestlé und Roche. Der Nahrungsmittelkonzern legte ein Kursplus von 1,7 Prozent hin. Damit machten Nestlé einen Teil ihres Kursrutsches vom Vortag wieder wett, als sie unter anderem wegen einem leicht vorsichtigeren Margenausblicks oder des angekündigten Joint Ventures für das Wassergeschäft um 8 Prozent abgestürzt waren.

Derweil setzten Roche (PS +1,6 Prozent) und Lonza (+1,1 Prozent) ihren Steigflug fort. Roche hatte am Vortag mit seinen Halbjahreszahlen überzeugt. Entsprechend wurden Novartis (-0,6 Prozent) von Umschichtungen in Roche etwas belastet, wie Marktteilnehmer sagten. Novartis hielten damit die rote Laterne.

An der Spitze der SMI-Gewinner standen Logitech (+1,9 Prozent). Der Computerzubehör-Hersteller dürfte kommende Woche relativ unspektakuläre Zahlen für sein erstes Geschäftsquartal vorlegen, sind sich Analysten einig. Dahinter folgten Alcon (+1,9 Prozent).

Swiss Re (+1,6 Prozent) zogen markant an, nachdem Konkurrent Munich Re dank geringer Grossschäden und guter Finanzgeschäfte die Gewinnerwartungen weit übertroffen hatte. Auch die anderen Versicherer wie Zurich (+0,8 Prozent), Swiss Life (+0,2 Prozent) oder Helvetia Baloise (+0,5 Prozent) zogen an.

Auch Givaudan (+0,6 Prozent) konnten die Kursschwäche nach den jüngsten Zahlen etwas wettmachen. Sie waren am Vortag um 6 Prozent gefallen. Das gleiche gelang Galderma (+2,6 Prozent). Dagegen kam Kühne+Nagel (+0,1 Prozent) sind nach dem Taucher vom Vortag nicht vom Fleck.

Überraschende Börsenreaktionen

Generell reagierten die Kurse vor allem auf die Unternehmensberichterstattung, wobei es in den Augen von Marktbeobachtern überraschende Bewegungen gab. Es zeichne sich derzeit das Muster ab, dass positive Überraschungen meist nur mit einer Seitwärtsbewegung bedacht werden, während solide Zahlen im Rahmen der Erwartungen abgestraft werden, hiess es.

In dieses Bild passte SGS, die nach grundsätzlich positiven Halbjahreszahlen deutlich im Minus (-2,7 Prozent) schlossen. Nach dem guten Lauf der vergangenen Wochen führen Händler den Rücksetzer auf Gewinnmitnahmen und anhaltende Zollsorgen zurück. Ebenfalls abgestraft wurden Orell Füssli (-5,0 Prozent) nach einem Gewinnrückgang und Calida (-7,3 Prozent), die mit ihren Zahlen die Erwartungen deutlich verfehlt haben.

Dagegen konnte Schweiter (+5,1 Prozent) die Prognosen übertreffen. Auch Vontobel (+1,4 Prozent) waren nach Zahlen gesucht.

Bei Gurit (-11,5 Prozent) kam der erneute Chefwechsel gar nicht gut an, während SFS (-6,7 Prozent) unter der Herunterstufung durch gleich zwei Häuser litten.

jb/uh

(AWP)