So gab etwa US-Notenbankchef Jerome Powell kein klares Bekenntnis zu weiteren Zinsschritten ab. Er wollte aber auch nicht ausschliessen und verwies auf die künftigen Konjunkturdaten. Damit herrscht zwar weiter Unsicherheit, ob der Zinsgipfel bereits erreicht ist, das reichte aber bereits für weitere Aufschläge. Davon profitierten vor allem auch die zinssensiblen Technologiewerte. Ähnlich äusserte sich EZB-Chefin Christine Lagarde.

Der Swiss Market Index schloss um 1,70 Prozent höher bei 11'376,21 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann um 1,76 Prozent auf 1799,89 Punkte und der breite SPI um 1,68 Prozent auf 15'004,04 Zähler. Bis auf Swiss Re schlossen alle SLI-Werte höher.

Getragen wurde der hiesige Aktienmarkt vor allem von Nestlé, deren Papiere 2,6 Prozent zulegten. Der Nahrungsmittelriese ist im ersten Halbjahr 2023 deutlich stärker gewachsen als erwartet und profitabler geworden. Das Wachstum ging vollständig auf Preiserhöhungen zurück.

Ebenfalls nach Zahlen legten Roche um 0,5 Prozent zu. Der Pharmariese hat im ersten Halbjahr weiterhin unter den Corona-Spätfolgen gelitten. Den Ausblick für das Gesamtjahr hat der Pharmakonzern aber bestätigt. Rivale Novartis (+1,1%) schnitt etwas besser ab.

Auch die Zahlen von Holcim (+3,5%) wurden mit Applaus bedacht. Zusätzlicher Schub kam aus dem Ausland: Saint-Gobain und Heidelberg Materials hatten ebenfalls gute Zahlen geliefert. Davon profitieren auch andere baunahe Werte wie Sika (+4,3%) und Geberit (+2,7%).

Gute Ergebnisse beflügelten auch den Vakuumventilhersteller VAT, dessen Papiere um 3,3 Prozent anzogen. Sie profitierten auch von den Zinsfantasien und positiven Aussagen des südkoreanischen Elektronikriesen Samsung. Dieser erwartet eine schrittweise Erholung der Halbleiter-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte. Das beflügelte auch AMS Osram (+4,6%), deren Ergebnisse am (morgigen) Freitag anstehen.

Nach guten Zahlen des US-Konkurrenten Align zogen im Sektor Medizinaltechnik Straumann (+3,5%) und in dessen Sog auch Sonova (+2,4%) und Alcon (+1,7%) deutlich an. Lonza (+2,2%) bauten im Fahrwasser von Bachem (+6,1%) die Gewinne aus. Der Peptid-Hersteller will nach einem verhaltenen ersten nun im zweiten Semester richtig Gas geben und bekräftigte seine ambitiösen Ziele.

Einzig Swiss Re (-0,1%) musste bei den Blue Chips Federn lassen. Händler verwiesen auf eine Schadensschätzung des Rivalen Munich Re für, die in der ersten Jahreshälfte weltweit Schäden von 110 Milliarden Dollar angerichtet haben.

Im breiten Markt schossen die Papiere von Inficon um 17,7 Prozent nach oben. Die Quartalszahlen seien deutlich besser als erwartet gewesen, hiess es am Markt. In deren Schlepptau legten Comet um 3,6 Prozent zu.

Ebenfalls höhere Kurse verzeichneten nach der Bilanzvorlage die Aktien Valiant (+3,3%). Graubündner Kantonalbank (-0,3%) und Vontobel (-0,7%) wurden hingegen nach Zahlen verkauft.

Meier Tobler verloren 3,6 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen als Folge eines vorsichtigen Ausblicks.

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