Hoffnungen auf rasche Zinssenkungen wurden durch sie - wie bereits am Vortag - jedenfalls nicht gestützt. Der Empire-State-Index, der die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Bundesstaat New York misst, legte unerwartet deutlich zu. Der Philly-Fed-Index für das Geschäftsklima in der Region Philadelphia stieg überraschend, während die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe sanken. Für eine nächste Zinssenkung bereits in diesem Monat gebe es entsprechend keine stichhaltigen Gründe, meinte ein Marktexperte.
Der SMI, der am Nachmittag noch auf ein Rekordhoch von knapp 13'529 Punkte gestiegen war, gewann zum Handelsschluss noch 0,09 Prozent auf 13'476,32 Zähler. Der 30 Titel umfassende SLI gewann 0,35 Prozent auf 2181,57 und der breite SPI 0,28 Prozent auf 18'595,00 Zähler. Bei den 30 Blue Chips standen sich am Schluss 15 Gewinner und 14 Verlierer gegenüber, ein Titel (Alcon) schloss unverändert.
Das Geschehen war am Donnerstag ganz klar geprägt von Unternehmensergebnissen. Gleich vier der 30 Schweizer Blue Chips hatten am Vorabend bzw. am frühen Morgen Zahlen oder zumindest Vorabzahlen präsentiert.
Dabei stach vor allem der Vakuumventilhersteller VAT (+15,8 Prozent) positiv hervor. Seine Zahlen zu Auftragseingang und Umsatz übertrafen die kühnsten Erwartungen von Analysten und sorgten entsprechend für einen Kurssprung. Dies sei der Startschuss für eine neue Wachstumsphase, hiess es dazu etwa bei der ZKB. Die Aktie hatte bereits einen sehr guten Jahresstart und notiert mittlerweile 30 Prozent über dem Stand von Ende 2025.
Im Sog von VAT wurden auch weitere Halbleitertitel aus dem breiten Markt wie Inficon (+8,4 Prozent) Comet (+4,7 Prozent) und AMS Osram (+5,4 Prozent) höher gehandelt. Bei letzteren brodelte ausserdem die Gerüchteküche. Der Konzern soll kurz vor dem Verkauf von grossen Unternehmensteilen an den deutschen Konzern Infineon stehen. Dies schrieb jedenfalls die «Finanz und Wirtschaft» mit Verweis auf Insider.
Bei den Blue Chips waren ausserdem Partners Group (+7,7 Prozent) stark gesucht. Der Asset Manager hat die verwalteten Vermögen und die Kapitalzusagen gesteigert. Partners Group habe ein Rekord-Fundraising vermeldet, hiess es bei Vontobel etwa. Die Aktie hat ebenfalls einen guten Jahresstart erwischt, nachdem sie von vielen Analasten für dieses Jahr empfohlen worden war.
Auf der anderen Seite der Tabelle waren Geberit (-4,1 Prozent) zu finden. Hier führten Händler vor allem Gewinnmitnahmen nach guten Zahlen ins Feld. Der Sanitärtechnikkonzern steigerte 2025 den Umsatz unter Ausklammerung der negativen Währungseinflüsse klar und hob die Prognose für die operative Marge 2025 an.
Ähnlich sah es bei Richemont (-2,4 Prozent) aus. «Die negative Kursreaktion hat fast mehr überrascht als die guten Zahlen», meinte ein Händler. Der Luxusgüterkonzern hat den Umsatz im wichtigen Weihnachtsquartal um 4 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro gesteigert und die Markterwartungen dabei klar übertroffen. Im Sog von Richemont fielen auch Swatch (-3,6 Prozent) im Verlauf ins Minus.
Bei den SMI-Schwergewichten waren Novartis (-1,4 Prozent) unter Druck, Nestlé (-0,04 Prozent) schlossen wenig verändert und Roche (+0,5 Prozent) legten gar zu. Konkrete News gab es nicht. Bei Novartis wurde etwa auf den starken Verlauf der letzten Tage und Wochen verwiesen. Ausserdem hatte Donald Trump noch seinen Gesundheitsplan offiziell vorgestellt, wobei es um tiefere Preise für Medikamente geht, wie ein Marktbeobachter vermerkte.
In den hinteren Reihen legten Ascom (+17 Prozent) massiv und Bossard (+6,0 Prozent) deutlich zu, Temenos (-3,5 Prozent) standen dagegen unter Druck. Alle drei machten ebenfalls erste Angaben zum vergangenen Jahr. Implenia (-2,7 Prozent) gaben derweil trotz eines weiteren Grossauftrags nach. Hier war auch von Gewinnmitnahmen die Rede.
uh/cg
(AWP)

