«In Phasen ohne neue geopolitische Entwicklungen fokussieren sich die Investoren verstärkt auf die Modethemen KI und Halbleiter», so ein Marktexperte. Der KI-Boom dürfte künftig weitere Unsummen an Kapital anziehen. Spekuliert wird etwa, dass der KI-Riese Anthropic im Herbst ein IPO wagt und dessen schärfster Konkurrent und ChatGPT-Entwickler OpenAI später nachfolgen könnte. Bereits im Juni wird ein Börsengang von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX erwartet.

Im Nahen Osten ist derweil noch keine Friedenslösung in Sicht. Zuletzt hatte der Iran die Gespräche mit den USA auf Eis gelegt. Grund ist der Vormarsch Israels im Libanon. US-Präsident Trump kündigte indes gebetsmühlenartig den baldigen Frieden an. «Es erweckt den Anschein, als versuche Washington, den Frieden herbeizureden», meinte ein Händler. «Das Hin und Her in der Nachrichtenlage zerrt an den Nerven der Anleger, die deshalb das Risiko etwas herausnehmen», so ein anderer Experte.

Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten eröffneten am Ölmarkt kaum Raum für sinkende Preise. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent mit Lieferung im August notierte zu Europaschluss mit knapp 95 Dollar zum Vortag kaum tiefer. Demgegenüber rutschte der Bitcoin-Kurs erstmals seit Anfang April wieder unter 70'000 Dollar. Und aus konjunktureller Sicht deuteten gute JOLTS-Daten (Job Openings and Labor Turnover Survey) auf eine robuste Lage am US-Arbeitsmarkt hin. Am Freitag steht der viel beachtete monatliche Jobs Report an.

SMI verteidigt 13'300 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) schloss mit 13'305,72 Punkten auf dem Vortagesniveau, nachdem er im frühen Geschäft noch bis auf 13'390 Stellen vorgerückt war. Am Ende standen sich 12 Verlierer und 8 Gewinner gegenüber. Der SMIM der mittelgrossen Werte stieg leicht um 0,05 Prozent auf 2984,43 Zähler und der breite SPI legte um 0,09 Prozent auf 18'853,23 Punkte. Andere europäische Märkte konnten deutlicher zulegen.

An der Spitze der Blue Chips standen die Tech-Aktien von Logitech (+3,7 Prozent) und im SMIM machten VAT (+5,0 Prozent) einen Sprung nach oben. Sie profitierten von der guten Entwicklung an der US-Tech-Börse, während die Bank Vontobel das Logitech-Kursziel anhob. Im breiter gefassten Geschäft wurden noch andere Halbleiterwerte, allen voran AMS Osram (+12 Prozent), gut nachgefragt. Die vom europäischen Chipkonzern STMicroelectronics angehobene Prognose führten Händler ebenfalls als Kaufsignal an.

Mit Aussicht auf eine wachsende Nachfrage nach Robotik-Lösungen waren die Titel von ABB (+3,2 Prozent) gefragt. Der Industriekonzern will die bereits im vergangenen Oktober angekündigte Zusammenarbeit mit dem US-Chiphersteller Nvidia weiter ausbauen. Zulegen konnten auch die Luxusgüteraktien Richemont (+0,7 Prozent) und Swatch I (+1,9 Prozent), nachdem die Uhrenexportdaten Hinweise auf eine Erholung im wichtigen chinesischen Geschäft geliefert hatten.

Roche und Novartis bremsen

Auf der Verliererseite standen defensive Titel. Vor allem die Pharmawerte Roche (-2,4 Prozent) und Novartis (-0,8 Prozent) drückten mit Gewinnmitnahmen auf den Gesamtmarkt. Im Gesundheitsbereich gaben auch Alcon (-1,4 Prozent) oder Sandoz (-2,1 Prozent) klar nach. Und die Papiere des Rückversicherers Swiss Re (-1,4 Prozent) litten unter der Sorge häufiger und intensiveren Wetterextreme, welche die US-Wetterbehörde NOAA erwartet.

Im breiten Markt rückten Implenia um 2,2 Prozent vor, nachdem der Baukonzern ambitionierte Wachstumsziele vorgestellt hatte. Im Minus schlossen dagegen Barry Callebaut (-1,2 Prozent) nach einem Investorenupdate. Noch deutlicher gaben Avolta (-2,3 Prozent) nach. Laut Berichten ist ein grösseres Aktienpaket des Reisedetailhändlers am Markt platziert worden. Clariant (-5,3 Prozent) wurden aufgrund des Dividendenabgangs tiefer gehandelt. Ohne News kletterten Klingelnberg (+19 Prozent) stark in die Höhe.

mk/rw

(AWP)