Über das Pfingstwochenende hatten sich die USA wie auch der Iran positiv zu den laufenden Friedensverhandlungen geäussert. Die aufflackernden Friedenshoffnungen drückten zunächst auf die Rohölnotierungen: Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fiel klar unter die Marke von 100 US-Dollar. Am Dienstag verflog jedoch der Optimismus, und zwar spätestens als bekannt wurde, dass die USA iranische Boote angegriffen hatten, die in der Meerenge von Hormus Minen verlegen wollten. Zusätzlich drückten Berichte zu einem mutmasslich iranischen Angriff auf einen Tanker vor der Küste Omans auf die Börsenstimmung.

Zu Europaschluss notierte der Brent-Preis wieder über der 100-Dollar-Schwelle. Vielerorts fehlt der Glaube an einen raschen Frieden. «Es ist ja nicht das erste Mal, dass eine Einigung angeblich kurz bevorsteht», kommentierte ein Börsianer das Geschehen im Nahen Osten. Die 100-Dollar-Marke werde auch in den kommenden Wochen darüber entscheiden, in welche Richtung die Aktien tendieren, ergänzte ein Marktbeobachter. Notierungen oberhalb seien ein Signal für anhaltende Inflationsgefahren, nachhaltige Kurse unterhalb dürften eine Entspannung in der gesamten Preisentwicklung bedeuten.

Die Schweizer Börse schloss den Handel am Dienstag gemessen am Leitbarometer SMI nur 0,17 Prozent höher bei 13'525,68 Punkten ab. Im frühen Handel war der Index bis auf 13'635 Stellen geklettert. Am Ende standen sich 11 Gewinner und 9 Verlierer gegenüber. Der SMIM der mittelgrossen Werte gewann 0,25 Prozent auf 2994,67 Punkte und der breite SPI 0,23 Prozent auf 19'096,53 Zähler.

An der SMI-Spitze standen einige Aktien aus der Baubranche: Holcim (+2,1 Prozent) erzielten die grössten Kursgewinne, gefolgt von Sika (+1,8 Prozent) und Amrize (+1,6 Prozent). Zudem rückten ABB (+1,3 Prozent) sowie die Finanztitel UBS (+0,9 Prozent) und Swiss Life (+1,3 Prozent) deutlich vor.

Rückenwind gab es für den SMI vom Schwergewicht Nestlé, das um 0,8 Prozent zulegte. Die Pharmawerte Roche (-1,0 Prozent) und Novartis (-0,9 Prozent) beendeten den Handel dagegen im Minus und bremsten den SMI aus. Die ebenfalls defensiven Swisscom-Titel (-1,2 Prozent) verbuchten die grössten Abgaben bei den Blue-Chips-Firmen.

Im etwas breiter gefassten Geschäft rückten Julius Bär (+3,0 Prozent) in grossen Schritten vor. Dies, nachdem die Titel des Vermögensverwalters vergangenen Freitag als Reaktion auf die Vorlage von Geschäftszahlen herbe Kursverluste verbucht hatten. Auf der Gegenseite fielen die Partizipationsscheine des Schokoladenkonzerns Lindt & Sprüngli um 2,2 Prozent zurück.

Am breiten Markt wurden die Aktien von Lem (+25 Prozent) nach der Vorlage von Jahreszahlen stark nachgefragt. Der Elektronikkomponenten-Hersteller ist offenbar zu einem Übernahmeziel geworden. Der Verwaltungsrat jedenfalls teilte mit, dass «strategische Optionen» geprüft würden.

Stark gefragt waren auch die Aktien des Bäckereikonzerns Aryzta (+9,2 Prozent) mit Unterstützung einer Kaufempfehlung aus dem Hause Berenberg. Grössere Einbussen verbuchten etwa die Titel des Brokers GAM (-5,6 Prozent).

mk/to

(AWP)