Die Industriewerte fangen an zu drehen, sagte ein Händler. Allerdings sei es schwierig zu sagen, ob der Steigflug nachhaltig sei. «Es ist etwas schleierhaft, warum es so gut läuft.» Als Motor des Marktes erwiesen sich auch die Schwergewichte Nestlé und Roche. Zudem stiessen Novartis im Handelsverlauf weit in die Pluszone vor, obwohl die Aktie zuvor unter wegen der Konkurrenz durch Generika und der vorsichtigen Töne beim Ausblick auf den Verkaufslisten gestanden hatte. Für gute Laune bei den Investoren sorgte der Pharmakonzern Eli Lilly, der mit seinen Umsatzprognosen für 2026 die Markterwartungen deutlich übertraf, was den Aktienkurs um über 10 Prozent nach oben trieb. Die US-Jobdaten des privaten Anbieters ADP, die am Nachmittag publiziert wurden, hatten keinen Einfluss auf die Finanzmärkte.

Der SMI kletterte um 1,01 Prozent auf 13'508,12 Punkte. Zeitweise ging es bis auf 13'587,80 Zähler nach oben, womit das Allzeithoch von 13'328,67 Zählern von vor zwei Wochen geknackt wurde. Der 30 Titel umfassende SLI stieg um 0,70 Prozent auf 2155,86 Zähler und der breite SPI gewann um 1,04 Prozent auf 18'618,55 Zähler. Im SLI kamen auf 26 Gewinner lediglich 4 Verlierer.

An die Spitze katapultierten sich Kühne+Nagel mit einem Kurssprung von 5,0 Prozent vor Givaudan (+4,3 Prozent) und Straumann (+4,2 Prozent). Knapp hinter dem Führungstrio rangierten die defensiven Swisscom mit einem Plus von satten 3,9 Prozent, was selten ist. Mit 661,50 Franken rückt die Telekomaktie immer näher an das Allzeithoch von 738,35 Franken aus dem Frühling 2000 heran.

Auch die Versicherer Zurich (+3,5 Prozent) und Swiss Re (+3,3 Prozent) wiesen kräftige Gewinne auf. Zurich hat das Angebot für den britischen Spezialversicherer Beazley angehoben. Analysten bewerten den geplanten Ausbau in diesem Bereich grundsätzlich positiv. Zudem zeigt sich Erleichterung, dass die Preisanpassung nicht so stark war wie befürchtet.

Im Kielwasser legten Swiss Life (+2,0 Prozent) und HelvetiaBaloise (+0,8 Prozent) ebenfalls zu. Die Branche erhielt europaweit Rückenwind vom französischen Rückversicherer Scor, dessen Aussagen zur Erneuerungsrunde im Januar ermutigend aufgenommen wurden.

Nestlé (+2,6 Prozent) profitierten von einem Bericht der «Financial Times», gemäss dem Konzernchef Philipp Navratil einen strategischen Umbau im Konzern mit dem Fokus auf die Geschäftssäulen Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks plant. Er will das Wachstum nach turbulenten Jahren wieder ankurbeln.

Sika (+2,9 Prozent) wurden von Gerüchten hochgezogen, wonach grosse Baufirmen 1 Million «Trump Wohnungen» bauen wollen, wie ein Händler sagte. Geberit kletterten um 3,8 Prozent.

Auf der anderen Seite hielten Holcim (-7,9 Prozent) die rote Laterne. Händler verwiesen auf einen Pressebericht, wonach die EU kostenlose CO2-Zertifikate verlängern wolle. Die Titel von Konkurrent Heidelberg Materials sackten sogar noch stärker ab. Sollte dieser Bericht zutreffen, würde die Preiserhöhungsmacht der Konzerne für Zement etwas abgeschwächt. Allerdings hätten die Unternehmen auch geringere Kosten.

Ebenfalls weit oben auf den Verkaufslisten standen UBS (-6,34 Prozent). Dabei hat die Grossbank mit ihren Jahreszahlen durchaus die Schätzungen klar übertroffen. Allerdings belastete die anhaltende Kapitaldiskussion die Stimmung.

Im breiten Markt sorgten die Aussichten auf eine Abschwächung der EU-Emissionsregeln für einen Kurssprung bei Clariant (+13,3 Prozent). Zudem wurde der Kauf des niederländischen Unternehmens Stahl Holdings durch Henkel unter Dach und Fach gebracht. Denn Clariant ist mit knapp 15 Prozent an Stahl Holdings beteiligt.

AMS Osram (+4,7 Prozent) stiess mit seinem Verkauf eines Geschäftsteils an Infineon auf Applaus. Damit sinkt einerseits die hohe Verschuldung, andererseits werden Mittel frei für Investitionen in andere Bereiche.

jb/rw

(AWP)