Kurz nach Handelseröffnung hatten Gerüchte über einen möglichen Verhandlungswillen des Iran mit Blick auf das Atomprogramm die Börsen noch angetrieben. Doch mit weiteren militärischen Aktionen im Tagesverlauf kippte die Stimmung wieder klar ins Negative.
Es sei derzeit schwer abzuschätzen, wie weit sich die Eskalationsspirale noch drehen werde, sagte ein Händler. Nicht zuletzt ist laut Experten unklar, wer mit den USA verhandeln könnte, da es keinen eindeutigen Verhandlungsführer im Iran gebe. Angesichts der unübersichtlichen Lage im Nahen Osten hielten sich die Investoren weltweit zurück.
Robuste Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA konnten am Nachmittag immerhin die Konjunktursorgen etwas lindern. Diese fielen mit 213'000 leicht unter den erwarteten 215'000 Anträgen aus. Weitere Hinweise über die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed dürfte nun der morgige US-Arbeitsmarktbericht geben.
Ölpreise steigen weiter, Indizes schwanken
Für Nervosität sorgte allerdings der weiter steigende Ölpreis. Am Abend wurde Brent-Öl zu 84,62 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt (+4,0 Prozent). Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran am Wochenende hat sich Brent-Öl um mittlerweile über 16 Prozent verteuert.
Die Strasse von Hormus, durch die ein grosser Teil des globalen Ölhandels verläuft, bleibt die Hauptsorge des Marktes. Der Schiffsverkehr durch diese Wasserstrasse kam zuletzt nahezu zum Erliegen.
Die steigenden Ölpreise weckten Inflationssorgen, hiess es am Markt. Dies trieb auch die Renditen am Anleihenmarkt weiter an.
Die hiesigen Börsen zeigten im Tagesverlauf eine erhöhte Volatilität. Der Leitindex SMI schloss schliesslich um 1,57 Prozent tiefer bei 13'298,30 und damit auf dem Tagestief. Am Morgen war er nach kurzen Hoffnungen bis auf 13'557 Punkte gestiegen. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte verlor indes 0,94 Prozent auf 3042,05 und der breite SPI 1,43 Prozent auf 18'353,79 Zähler.
Galderma strahlen, Sonova leiden
Von den Bluechips kamen am heutigen Handelstag keine stark treibenden Nachrichten. Unter Druck standen etwa Kühne+Nagel (-1,9 Prozent). Die gesamte Branche leidet unter den Sorgen um den globalen Handel. Die drei SMI-Schwergewichte Novartis (-2,2 Prozent), Roche (-2,0 Prozent) und Nestlé (-0,6 Prozent) schlossen ebenfalls im Minus.
Indes überstrahlten Galderma (+7,0 Prozent) bei den Midcaps nach ihren Jahreszahlen die ansonsten gedämpfte Stimmung. Vor allem der positive Ausblick getragen vom Hoffnungsträger Nemluvio kam gut an.
In Sippenhaft mit der Konkurrenz wurden derweil Sonova (-5,5 Prozent) genommen. Der italienische Hörgerätehersteller Amplifon hatte einen Gewinnrückgang vermeldet, was dessen Aktien in Mailand auf Talfahrt schickte.
Negativ entwickelten sich auch die Technologietitel trotz guter Zahlen des Apple-Zulieferers Broadcom. So verloren sowohl VAT (-3,0 Prozent) und Logitech (-1,2 Prozent) als auch in den hinteren Reihen Inficon (-1,5 Prozent), Comet (-1,3 Prozent) und AMS Osram (-1,0 Prozent).
Zweite Reihe von Bilanzen geprägt
Unter den kleineren Werten sorgten Zahlen für Bewegungen. Auf positives Echo stiess dabei der Umsatzsprung von Wisekey (+12,0 Prozent). Gefragt waren auch die Titel des Haushaltsgeräteherstellers V-Zug (+2,1 Prozent), der unter anderem Kostensenkungs- und Effizienzmassnahmen vorstellte.
Hingegen wurden Cicor (-15,8 Prozent) heftig für einen verhaltenen Ausblick bestraft. Bei Bossard (-1,0 Prozent) fehlte ein Kurstreiber in Form einer positiven Überraschung.
ls/ra
(AWP)

