Nach der in der Nacht auf Mittwoch vereinbarten Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran atmeten die Anleger zur Wochenmitte auf. «Für Investoren fühlt es sich an, als würde eine enorme Last von den Schultern fallen», sagte ein Händler. Die Hoffnungen ruhten dabei besonders auf der angekündigten Öffnung der Strasse von Hormus, die für den Handel und speziell für die Ölpreise von essenzieller Bedeutung ist.
Bei aller Freude mahnten einige Analysten aber auch zur Vorsicht: «Noch ist kein nachhaltiger Frieden in der Region ausgehandelt», so ein Experte. Es müsse sich zeigen, ob die wichtige Schifffahrtsroute tatsächlich dauerhaft geöffnet werde, und ob es zu einem belastbaren Abkommen komme. Ganz zu schweigen von den bereits entstandenen Schäden an der Infrastruktur und Weltwirtschaft.
Am Abend gab es zudem bereits Medienberichte, wonach der Iran einen Ausstieg aus der Feuerpause erwäge. Hintergrund seien die anhaltenden israelischen Angriffe auf die mit dem Iran verbündete Hisbollah im Libanon.
Die Anleger achten nun besonders auf Konjunkturdaten, insbesondere auf die Inflationsdaten aus den USA, die Hinweise auf die Zinsentwicklung geben dürften. Ob die Zentralbanken tatsächlich an der Zinsschraube drehen, ist laut Experten fraglich.
Deutliche Entspannung am Ölmarkt
Bei den Ölpreisen kam es nach dem Waffenstillstand zu einer deutlichen Entspannung. So kostet ein Fass der Sorte Brent am Mittwochabend noch 95,04 US-Dollar (-13 Prozent). Das kriegsbedingte Hoch von 119,50 Dollar rückt damit wieder etwas in die Ferne.
Die Entspannung ist laut Marktbeobachtern aber fragil: «Jeder Verstoss gegen den Waffenstillstand, erneute Bedrohungen der Infrastruktur oder das Scheitern einer sinnvollen Wiederöffnung von Hormus könnten die Ölpreise und die makroökonomische Volatilität rasch wieder anfachen», hiess es.
Zykliker ziehen an
Der Schweizer Leitindex SMI schloss um 2,53 Prozent höher bei 13'113,43 Punkten, nachdem er im frühen Handel bis auf 13'270 Punkte geklettert war. Das Rekordniveau von Ende Februar bei 14'000 Punkten wird damit wieder greifbar.
Der SMIM für die mittleren Werte gewann um 3,05 Prozent auf 2987,02 Punkte hinzu und der breite SPI um 2,60 Prozent auf 18318,69 Zähler. Auch die anderen wichtigen europäischen Indizes gewannen deutlich dazu, während die US-Aktienmärkte ebenfalls klar im Plus notieren.
Laut Analysten profitierten vor allem die Anlageklassen, die zuletzt am meisten verloren hatten. Besonders gefragt waren energieintensive Bauwerte, Zykliker und Industrietitel. Entsprechend vollführten ABB (+8,0 Prozent), Holcim (+6,8 Prozent), Sika (+5,8 Prozent), Amrize (+5,2 Prozent) und Geberit (+4,6 Prozent) Kurssprünge. Auch die Luxusgütertitel Richemont (+7,9 Prozent) und Swatch (+6,1 Prozent) profitierten von der verbesserten Konsumerwartung.
Zinssensitive Tech-Werte wie Logitech (+2,1 Prozent) oder VAT (+7,8 Prozent) wurden ebenfalls gekauft. Beim Vakuumpumpenhersteller VAT half auch ein Hochstufung der Bonität durch Moody's.
Defensive am Tabellenende
Verglichen damit hielten sich die Gewinne bei den defensiven Titeln wie Nestlé (+0,7 Prozent) und Swisscom (+0,5 Prozent), den Versicherern Swiss Re (+0,2 Prozent) und Zurich (+0,7 Prozent) sowie bei den Pharmariesen Roche (+0,9 Prozent) und Novartis (+1,2 Prozent) in Grenzen. Kühne+Nagel (+0,1 Prozent), die als Logistiker zuvor stark von den gestiegenen Frachtraten profitiert hatten, kamen ebenfalls nicht vom Fleck.
Im breiten Markt sprangen hingegen R&S (+17,4 Prozent) nach der Präsentation der definitiven Resultate 2025 nach oben. Bei DocMorris (+10,3 Prozent) sorgten positive Q1-Zahlen des Rivalen Redcare für gute Stimmung.
ls/tp
(AWP)

