Nach den überraschend starken Zahlen von Nvidia vom Vorabend rücken die schwelenden KI-Sorgen etwas in den Hintergrund. Allerdings sorgten gute Zahlen nicht mehr automatisch für eine höhere Risikofreude, heisst es am Markt. Andere Risiken treten dafür mehr in den Fokus rücken. Heute beispielsweise treffen sich vor dem Hintergrund militärischer Spannungen Delegationen aus den USA und dem Iran zu neuen Verhandlungen. Der Ausgang und eine mögliche Eskalation sei damit aber noch nicht vom Tisch, heisst es.

Der SMI gewinnt am Donnerstag um 11 Uhr 0,13 Prozent auf 13'995,7 Punkten und steht damit knapp unter der am Dienstag erstmals überschrittenen Marke von 14'000 Zählern. Der 30 Titel umfassende SLI steigt minimal um 0,06 Prozent auf 2213,58 und der breite SPI ebenfalls um 0,06 Prozent auf 19'229,54 Zähler. Im SLI halten sich Verlierer und Gewinner mit je 15 die Waage.

Grösster Verlierer im SMI sind Holcim (-4,0 Prozent). Gemäss Medienberichten hat Italiens Industrieminister die Europäische Kommission dazu aufgerufen, das EU-Emissionshandelssystem vorläufig auszusetzen, um eine umfassende Überarbeitung vorzunehmen. Dies dürfte den Zementhersteller, der zuletzt stark in «grünen» Beton investiert hatte, belasten.

Hinzu kommt eine allgemeine Branchenschwäche bei den Bauwerten: So geben auch Amrize (-3,2 Prozent), Sika (-1,2 Prozent) und Geberit (-0,5 Prozent) deutlich nach. Die Aussichten bezüglich der Baudynamik vor allem im Bereich Rechenzentren habe sich etwas abgekühlt, so ein Händler. Es sei fraglich, ob die Branche die hohen Erwartungen an die zukünftigen Umsatz- und Gewinnentwicklungen erfüllen könne.

An der Spitze des SMI sind die Finanzwerte Partners Group (+3,0 Prozent) und UBS (+1,0 Prozent) sowie der Computerzubehörhersteller Logitech (+2,0). Am Markt wird auf Aufholeffekte verwiesen, zumal die drei Titel auch mit diesen Avancen die grössten Verlierer im SMI seit Anfang Jahr sind. Weiterhin zulegen können aber auch Swisscom (+0,6 Prozent), die sich seit Anfang Jahr damit um fast einen Viertel verteuert haben und damit den Spitzenplatz innehaben.

Tiefer gestellt werden bei den Bluechips auch Sandoz (-0,5 Prozent). Am Vortag hatten die Titel nach Zahlen noch zweistellig zugelegt. Neben Gewinnmitnahmen haben mit Barclays und Vontobel gleich zwei Institute das Rating gesenkt, wenn auch bei höherem Kursziel.

Daneben büssen auch Swiss Re (-0,6 Prozent), Swiss Life (-0,3 Prozent) und HelvetiaBaloise (-0,4 Prozent) an Terrain ein. Händler verweisen hier auf die Zahlen aus dem europäischen Versicherungssektor von Munich Re, Allianz und Axa, die nicht gut aufgenommen werden.

Die Techwerte profitieren dafür von den starken Nvidia-Zahlen und dem anhaltenden KI-Boon. So können VAT (+1,7 Prozent) Inficon (+0,8 Prozent) und AMS Osram (+4,0 Prozent) deutlich zulegen.

Im breiten Markt fallen ausserdem Clariant (+5,7 Prozent) mit grossen Gewinnen auf. Der Chemiekonzern hat mit den Zahlen die Umsatzerwartungen erfüllt und bei den Margen besser abgeschnitten als erwartet. Auch Emmi (+2,0 Prozent) konnte den Gewinn klar steigern und erhöhte zudem die Dividende. Zudem wird Feintool (+9,2 Prozent) von einer Rückkehr zur operativen Profitabilität beflügelt. Auch bei Meier Tobler (+0,5 Prozent) und Bystronic (+2,3 Prozent) kommen die Zahlen gut an.

Der Wäsche- und Lingeriehersteller Calida (-0,6 Prozent) blieb beim Umsatz für 2025 und der Dividende hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Positiv werden indes Fortschritte bei der Profitabilität gewertet. Noch deutlicher im Minus ist die auf Raumklima spezialisierte Zehnder Gruppe (-4,1 Prozent). Deren Jahreszahlen lagen laut Analysten etwas unter den Erwartungen und der Ausblick bleibe vage.

Ein Kursdebakel erlebt derweil Medmix (-19,4 Prozent). Der Industriekonzern vermeldete zwar die Rückkehr zu schwarzen Zahlen, allerdings wurde die Dividende deutlich zusammengestrichen. Daneben büssten auch Temenos (-3,5 Prozent) an Wert ein, dies allerdings nach einem Kursprung um 13,4 Prozent am Vortag. Von einer Rating-Absenkung durch RBC belastet werden Oerlikon (-1,7 Prozent).

an/uh

(AWP)