Die Stimmung wird weiterhin von den Entwicklungen im Nahen Osten geprägt. Zwar haben der Iran und Israel nach der Eskalation zu Wochenbeginn ihre gegenseitigen Angriffe vorerst eingestellt, die Lage gilt jedoch nach wie vor als fragil. Die jüngsten Spannungen hatten Befürchtungen geweckt, die Bemühungen um eine Beendigung des Konflikts könnten ins Stocken geraten. «An einen schnellen Frieden zu glauben, erscheint eher Wunschdenken», kommentiert ein Marktbeobachter.

Entsprechend aufmerksam verfolgen die Anleger die Entwicklung am Ölmarkt, der derzeit als wichtigster geopolitischer Seismograf für die Finanzmärkte gilt. Nachdem die Preise am Vortag kräftig gestiegen waren, gaben sie nun wieder deutlich nach. «Zwischen Krisenrauschen, geldpolitischen Fragezeichen und der KI-Euphorie als strukturellem Wachstumstreiber fehlt Anlegern derzeit ein verlässliches Navigationssignal», so ein Marktbeobachter. Ohne klare Leitplanken bleibe das Marktumfeld aber schwer navigierbar.

SMI von Pharma gebremst

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 11.00 Uhr 0,39 Prozent auf 13'372,31 Punkte. Mittlerweile haben sind die 16 Gewinner und gegenüber den vier Verlierern klar in der Überzahl. Der SMIM der mittelgrossen Werte steigt um 0,43 Prozent auf 3017,71 Punkte, während der breite SPI um 0,44 Prozent auf 18'936,62 Punkte zulegt.

An der Spitze der Blue Chips stehen Givaudan (+5,4 Prozent). Der Aromen- und Duftstoffhersteller profitiert von einer Hochstufung auf «Buy» durch die Deutsche Bank, die auf eine mögliche Beschleunigung des organischen Wachstums verweist. Ebenfalls gefragt sind UBS (+1,9 Prozent), nachdem Medienberichte auf einen möglichen Kompromiss in der Diskussion um strengere Eigenkapitalvorschriften hindeuten.

Klar belastet wird der Leitindex hingegen von den Pharmaschwergewichten Novartis (-0,4 Prozent) und Roche (-1,1 Prozent). Hintergrund sind laut Händlern Medienberichte über Verhandlungen des britischen Pharmakonzerns GSK zur Übernahme des Biotechunternehmens Nuvalent für 9 bis 10 Milliarden US-Dollar. Der mögliche Deal unterstreiche zwar den hohen strategischen Wert innovativer Onkologie-Unternehmen, könnte den Wettbewerb um attraktive Übernahmeziele aber weiter verschärfen, heisst es am Markt.

KI weiterhin im Fokus

An den internationalen Börsen bleibt der Technologiesektor im Mittelpunkt, wobei der erwartete SpaceX-Börsengang sowie die IPO-Pläne von OpenAI und Anthropic die KI-Euphorie weiter befeuern. So knüpften am Dienstag die asiatischen Techwerte an die Kursgewinne der Wall Street an. Die bevorstehenden Börsenpläne würden allerdings eine «K-förmige Wirtschaft» verdecken, heisst es in einem Kommentar. Während Technologie floriere, litten weite Teile der Wirtschaft weiterhin unter höheren Finanzierungskosten und steigenden Lebenshaltungskosten.

Für Bewegung sorgen auch Unternehmensnachrichten. Die Aktien von Idorsia (+7,2 Prozent) legen kräftig zu, nachdem das Biopharmaunternehmen die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten bekannt gegeben hat. Anleger werten den Schritt als deutliche Verbesserung der Bilanzstruktur und des Liquiditätsprofils.

SoftwareOne (-0,5 Prozent) geben dagegen ihre anfänglichen Gewinne wieder ab. Das Unternehmen hat anlässlich seines Investorentags neue Mittelfristziele vorgestellt. Am Vortag waren die Titel nach dem Einstieg eines US-Hedgefonds noch um 3,7 Prozent gestiegen.

Deutlich unter Druck stehen derweil Adecco (-2,1 Prozent), nachdem Morgan Stanley die Aktie auf «Underweight» abgestuft hat. Bei Temenos (-1,0 Prozent) stösst die am Montag bekannt gegebene Übernahme eines Zürcher Fintechs trotz positiver Analystenkommentare auf Skepsis.

an/rw

(AWP)