"Auch wenn dies weitere Erhöhungen nicht ausschliesst, dürfte die Notenbank im Rest des Jahres viel mehr auf Sicht fahren, um die Wirkung der von ihr verabreichten Medizin gegen die Inflation besser beobachten zu können", hiess es im Handel. Die Zeit geldpolitischen Vollbremsung sei damit aller Voraussicht nach vorbei. Stattdessen müsste sich der Markt vermutlich in den nächsten sechs bis neun Monaten mit der Gefahr einer allzu starken Disinflation beschäftigen, was am Ende auch zu Deflation führen könnte. Vor allem der deflationäre Trend in China berge eine entsprechende Gefahr. Im weiteren Handelsverlauf stehen in den USA dann noch die Produzentenpreise auf dem Plan, die ebenfalls einen Einfluss auf den weiteren Zinspfad des Fed haben. Unterdessen dürfte die Berichtssaison nun mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der SMI gewinnt gegen 11.15 Uhr 0,25 Prozent hinzu auf 11'046,04 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, zieht um 0,34 Prozent an auf 1744,14 und der breite SPI um 0,32 Prozent auf 14'619,38 Zähler. Im SLI stehen 24 Gewinnern drei Verlierer und drei unveränderte Titel gegenüber.

Die Stars des Tages sind ohne Frage Swatch (+6,8%) und VAT (+5,9%), die beide am Morgen über ihren jüngsten Geschäftsgang informiert haben. So hat der Bieler Uhrenhersteller "brillante" Zahlen vorgelegt, wie es bei Bernstein heisst. Swatch hat bei Umsatz und Gewinn stärker zugelegt als erwartet. Zudem rechnet Konzernchef Nick Hayek mit einem weiterhin "ausgezeichneten" Geschäftsverlauf. Konkurrent Richemont (+0,5%) gewinnt im Kielwasser ebenfalls hinzu. Der Konzern legt kommende Woche dann Zeugnis über die letzten Monate ab.

Der Vakuumventil-Hersteller VAT hat zwar unter den stark gesunkenen Ausgaben von Halbleiterkunden gelitten. Die Ergebnisse der Ostschweizer für das zweite Quartal und erste Halbjahr 2023 liegen denn auch deutlich unter den Vorjahreszahlen. Analysten wiederum sehen aber nun die Talsohle erreicht und gehen von bald deutlich besseren Aussichten aus.

Mit +1,3 Prozent setzen AMS Osram und auch Temenos (+0,9%) ihre jüngste Erholung fort. Der Bankensoftware-Spezialist hat vom B2B-Zahlungsanbieter Convera einen Auftrag an Land gezogen. AMS Osram erholen sich unterdessen weiter von dem jüngsten Ausverkauf. Zudem profitieren speziell zinssensitive Titel von den Hoffnungen auf den weiteren Zinspfad. Mit Blick auf AMS Osram gibt es aber auch weiterhin warnende Stimmen, die sagen, dass es bei dem Sensorenhersteller mehr bräuchte, um von einer grundlegenden Trendwende reden zu können.

Insgesamt fester präsentieren sich auch die unterschiedlichen Vertreter der Gesundheitsbranche. Neben Lonza (+1,1%) gewinnen Sonova, Straumann sowie die Schwergewichte Roche und Novartis bis zu 0,9 Prozent hinzu. Bei Roche werden die Daten zu einer subkutanen Darreichungsform des MS-Mittels Ocrevus wohlwollend aufgenommen. Der Pharmakonzern verschaffe sich damit gegenüber der Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil.

Auf der überschaubaren Verliererliste halten Sika-Aktien mit -2,5 Prozent die rote Laterne. Gleich sieben Analysten haben sich alleine am Berichtstag vorsichtig über die bevorstehenden Quartalszahlen geäussert. Zudem hat sich die deutsche BASF die Serie an Gewinnwarnungen in der Chemiebranche fortgesetzt.

Daneben geht es für Geberit (-0,9%) und ABB (-0,4%) abwärts. Auch hier fielen die Kommentare zu den bevorstehenden Quartalszahlen zuletzt eher zurückhaltend aus.

In der zweiten Reihe sacken Polypeptide (-7,9%) nach der dritten Gewinnwarnung innerhalb von 12 Monaten ab.

Derweil sind Inficon, Comet und U-blox gesucht. Die Kursgewinne von bis zu 2,3 Prozent begründen Händler mit VAT und der Hoffnung auf das Ende der Talsohle.

hr/ra