Spätestens seit dem Vortag seien die Zinssorgen wieder zurück, heisst es weiter. Die US-Detailhandelsumsätze waren besser als erwartet und dies zeige die starke Verfassung der US-Konsumenten. Dies habe den Hoffnungen auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus einen herben Dämpfer versetzt. Die Anleger seien zunehmend verunsichert und glaubten nun je länger je weniger, dass bald wieder Zinssenkungen denkbar werden. Daher dürften sich die Anleger am Berichtstag wohl auch zurückhalten, heisst es weiter. Sorgen bereitet den Anlegern auch die Wirtschaftsentwicklung in China. Die Anleger befürchten, dass die Probleme im Reich Mitte international ausstrahlen könnten. Die dortige Notenbank sah sich am Dienstag wegen schwacher Konjunktursignale erneut zu geldpolitischen Lockerungen gezwungen.
Der SMI der Standardwerte steigt bis um 11.00 Uhr um 0,32 Prozent auf 11'020,30 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, rückt um 0,22 Prozent vor auf 1737,35 und der breite SPI um 0,27 Prozent auf 14'534,10 Zähler. Von den 30 SLI-Werten legen 20 zu und zehn geben nach. Damit hat sich das Verhältnis Gewinner/Verlierer seit dem Morgen genau umgedreht.
Den stärksten Anstieg unter den Bluechips verbuchen VAT (+1,0%), die damit einen Teil der Vortageseinbusse aufholen. Auch Givaudan (+0,8%), Richemont (+0,6%) und Lindt & Sprüngli PS (+0,4%) notieren nach der Kursschwäche vom Vortag wieder etwas fester. Dies gilt auch für zyklische Titel wie ABB, Kühne + Nagel, Sika und Schindler, die bis zu 0,5 Prozent aufholen.
Unter den grösseren Gewinnern stehen Nestlé (+1,0%). Die schwergewichtige Aktie ist denn auch für den Grossteil des Indexgewinns verantwortlich. Händler sprechen von einer Gegenbewegung und einer günstigen Kaufgelegenheit, nachdem die Aktie am Vortag auf ein Mehrjahrestief gefallen war.
Aufmerksamkeit geniessen auch die Anteile von Alcon (-0,3%), die nach einem festeren Verlauf ins Minus abrutschen. Dabei hat der Augenheil-Spezialist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal mehr Umsatz und Gewinn erzielt und gar den Ausblick leicht angehoben. Händler sprechen denn auch von einem guten Ergebnis.
Auf der anderen Seite büssen Straumann (-1,4%) weiteren Boden ein. Der Dentalimplantathersteller hatte am Vortag nach Bilanzvorlage deutlich nachgegeben. Nun sorgten laut Händlern Analystenkommentare für zusätzlichen Druck und Anschlussverkäufe. "Jetzt dürfte dann aber genügend Heu vom Wagen gefallen sein", meint ein Händler, der auf eine Erholung wettet.
Ebenfalls tiefere Kurse gibt es für Technologie- und Wachstumstitel wie Temenos, Lonza, Logitech und Partners Group, die bis zu 0,6 Prozent niedriger bewertet werden.
Eine Warnung der Ratingagentur Fitch vor Rating-Abstufungen einiger Banken, darunter JPMorgan und Bank of America, die am Vortag in den USA den Sektor belastet hatte, wirke sich nicht auf die Schweizer Banken aus, meint ein Händler. UBS (+0,3%) und Julius Bär (+0,1%) ziehen denn auch leicht an.
Auf den hinteren Rängen gewinnen Feintool und Implenia nach Zahlen 1,1 respektive 1,6 Prozent. Dagegen rutschen Gurit (-0,7%) trotz guter Zahlen ab.
Gesucht werden Skan (+1,1%). Nach Ansicht von Berenberg zählt das Medtechunternehmen zu den Profiteuren des Hypes um Medikamente gegen Fettleibigkeit.
pre/rw