Viele Investoren halten sich allerdings an der Seitenlinie auf - aus zwei Gründen. Der eine ist der Krieg im Nahen Osten, der andere die am Nachmittag anstehende Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Im Nahen Osten scheint der Frieden wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Die USA und der Iran haben sich erneut gegenseitig beschossen, und es gab heftige gegenseitige Drohungen. Beim Ölpreis hielten sich die Auswirkungen allerdings in Grenzen. Er näherte sich zuletzt sogar wieder der Marke von 90 US-Dollar pro Fass an. Börsianer sprachen von einem «Gewöhnungseffekt».

Beim anstehenden EZB-Entscheid gilt es als ausgemachte Sache, dass der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben wird. Gespannt warten die Märkte aber auf Signale von EZB-Chefin Christine Lagarde über das weitere Vorgehen. «Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob die Anhebung präventiver Natur ist oder den Auftakt eines neuen Straffungszyklus markiert», meint ein Ökonom.

Derweil wirft der Börsengang von SpaceX vom Freitag seine Schatten voraus. Er könnte sich als Lackmustest für die Märkte erweisen, sagt ein Händler. «Gelingt die Platzierung zu einer hohen Bewertung, wäre das ein starkes Signal dafür, dass die Jagd nach der nächsten grossen Wachstumsstory ungebrochen ist», so sein Kommentar. Bei einer Enttäuschung drohten hingegen Gewinnmitnahmen.

Richemont profitiert von Boss

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt um 11 Uhr 0,44 Prozent auf 13'522,15 Punkte. Der SMIM der mittelgrossen Werte legt um 0,22 Prozent auf 3010,98 Stellen zu und der breite SPI um 0,39 Prozent auf 19'084,27 Zähler.

Gewinner und Verlierer halten sich bei den Blue Chips in etwa die Waage, und die Ausschläge bei den einzelnen Titeln sind nicht sehr ausgeprägt - abgesehen von wenigen Ausnahmen.

Grösste Gewinner sind aktuell Richemont (+2,7 Prozent). Händler sehen dies als Folge des Übernahmeangebots für Boss durch Grossaktionär Frasers. «Dies hat Fantasie in den Sektor gebracht», meint einer. Auch Swatch ziehen am breiten Markt um knapp 2 Prozent an.

Dahinter sind die beiden Zykliker ABB und Holcim als einige noch mehr als 1 Prozent an.

Eine Stütze für den Gesamtmarkt sind ausserdem Novartis und Roche, die um 0,4 und 0,1 Prozent zulegen. Von beiden gab es leicht positive News. Roche gab ein Update zu einem Zulassungsantrag, Novartis vermeldete einen Studienerfolg.

Auf der anderen Seite geben Swisscom mit 1,8 Prozent am stärksten nach. Eine Verkaufsempfehlung der Morgan-Stanley-Analysten sorgt für weitere Abgaben, nachdem der Titel schon in den letzten Wochen unter die Räder gekommen war. Aktuell rät gemäss dem «AWP Analyser» kein einziges Institut mehr zu einem Kauf der Aktien, neun hingegen zu einem Verkauf.

Bei Partners Group geht das Trauerspiel weiter, wie die Einbussen von 1,8 Prozent zeigen. Gut 1 Prozent im Minus sind ausserdem Sika und Geberit.

Am breiten Markt fallen die Technologietitel VAT (+2,5 Prozent) und Comet (+2,6 Prozent) positiv auf. Die KI-Hausse geht weiter.

Aufwärts geht es auch mit Centiel (+13 Prozent), die damit den Anstieg vom Vortag fortsetzen. Gefragt sind auch Curatis (+5,3 Prozent) nach einer Guidance-Erhöhung.

Einen schweren Stand haben hingegen Interroll (-4,3 Prozent) nach einer Verkaufsempfehlung durch Kepler Cheuvreux. Und auch SoftwareOne (-5,3 Prozent) erleiden weitere Abgaben.

rw/to

(AWP)