Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran erweisen sich weiterhin als zäh. «Das Pokern um einen Frieden im Nahen Osten geht weiter», kommentiert ein Marktteilnehmer die Lage. Der Ölpreis als wichtiger Stimmungsindikator gab zuletzt leicht nach. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 93,22 US-Dollar und damit klar weniger als am Vorabend. Für Entwarnung sei es jedoch noch zu früh, warnt eine Expertin des Online-Brokers Swissquote. Angesichts der rasch sinkenden globalen Ölreserven könnte die nächste Aufwärtsbewegung den Ölpreis wieder deutlich nach oben treiben.
Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 11.00 Uhr 0,50 Prozent auf 13'371,45 Punkte. Von den 20 SMI-Titeln notieren lediglich vier im Minus. Der SMIM der mittelgrossen Werte steigt um 0,32 Prozent auf 2992,58 Punkte, während der breite SPI um 0,50 Prozent auf 18'931,99 Punkte zulegt. Auch andere europäische Börsen können sich am Dienstag vom Dämpfer des Vortages erholen.
Zykliker gefragt
An den internationalen Aktienmärkten prägt weiterhin die Begeisterung rund um das Thema Künstliche Intelligenz das Geschehen. Nachdem die US-Börsen am Montag neue Rekordstände erreicht hatten, stehen auch hierzulande Technologiewerte im Fokus.
An der Spitze des SMI liegen Logitech (+5,0 Prozent), die von starken Vorgaben aus den USA profitieren. Ebenfalls gesucht sind die Halbleiterwerte VAT (+1,0 Prozent) oder noch stärker AMS-Osram (+5,7 Prozent). Zusätzlichen Rückenwind erhält der Sektor durch eine angehobene Prognose des europäischen Chipkonzerns STMicroelectronics.
Ebenfalls gesucht sind ABB (+1,6 Prozent). Der Industriekonzern baut die bereits im vergangenen Oktober angekündigte Zusammenarbeit mit dem US-Chiphersteller Nvidia weiter aus. Positiven Schub erhalten Richemont (+0,8 Prozent) und Swatch I (+2,4 Prozent) von den jüngsten Exportzahlen der Uhrenindustrie.
Überdurchschnittlich gefragt sind darüber hinaus zyklische Werte wie Sika (+2,6 Prozent), Geberit (+1,8 Prozent), Holcim (+1,3 Prozent), Kühne+Nagel (+2,6 Prozent) und Partners Group (+2,3 Prozent).
Defensive Werte unter Druck
Auf der Verliererseite stehen vor allem defensive Titel. So zählen die Pharmakonzerne Roche (-1,0 Prozent) und Novartis (-0,3 Prozent) sowie Alcon (-0,2 Prozent) zu den schwächsten Blue Chips. In den folgenden Reihen verlieren aus dem Gesundheitsbereich auch Sandoz (-2,0 Prozent) und Galenica (-1,2 Prozent) an Terrain.
Unter Druck stehen zudem im Rahmen einer Brancheschwäche die Aktien von Swiss Re (-0,7 Prozent). Die Titel sind zuletzt auf den tiefsten Stand seit November 2024 gefallen. Belastend wirken neue Warnungen der Weltwetterorganisation (WMO) vor einem möglichen El-Niño-Ereignis. Für Rückversicherer bedeuten häufigere und intensivere Wetterextreme potenziell höhere Schadensbelastungen.
Implenia überzeugt
Im breiten Markt überwiegen derweil die Gewinner. Besonders stark präsentieren sich neben den Techwerten Implenia (+3,5 Prozent), nachdem der Baukonzern vorbörslich ambitionierte Wachstumsziele vorgestellt hat. Leicht im Plus zeigen sich auch Barry Callebaut (+0,3 Prozent) mit neuen Mittelfristzielen.
Deutlich unter Druck stehen hingegen Avolta (-3,6 Prozent). Medienberichten zufolge soll ein grösseres Aktienpaket des Reisedetailhändlers über ein beschleunigtes Bookbuilding platziert werden. Als möglicher Verkäufer wird am Markt Richemont gehandelt.
Gefragt sind schliesslich auch MindMaze Therapeutics (+2,9 Prozent). Das Unternehmen trennt sich von Aktivitäten ausserhalb des Kerngeschäfts Neurologie und schärft damit seinen strategischen Fokus.
an/hr
(AWP)
