Die jüngste Entwicklung gefährde den ohnehin brüchigen Waffenstillstand im Nahen Osten. «Nachdem die Friedensgespräche zwischen den USA und einem sichtlich erstarkten Iran ins Stocken geraten sind, stellt diese Eskalation eine echte Gefahr dar», kommentiert ein Händler. Vielmehr sei auch 100 Tage nach Kriegsbeginn kein Friedensabkommen in Sicht, sagt ein weiterer Börsianer.

Als Reaktion sind denn auch die Ölpreise wieder deutlich gestiegen, verharren aber noch unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Zudem sei bei den Renditen ein Aufwärtsdruck zu erkennen, was ebenfalls belasten könnte, so ein Marktbeobachter.

Aktienmärkte mit Verlusten erwartet

Für den SMI berechnet die Bank Julius Bär den SMI am Morgen gegen 08.20 Uhr um 1,03 Prozent tiefer bei 13'250 Punkten. Auch für den deutschen Dax oder den französischen Cac-40 werden zum Start Verluste von mehr als 1 Prozent erwartet.

In Asien haben die wichtigsten Indizes bereits mit teilweise deutlichen Verlusten auf die erneuten kriegerischen Auseinandersetzungen reagiert. Die Indikationen für die Wall Street sind ebenfalls negativ.

Von den hiesigen Blue Chips werden alle 20 SMI-Werte bis auf Givaudan (+1,2 Prozent) tiefer gestellt. Dabei reicht die Range von -0,1 Prozent bei Nestlé bis -2,3 Prozent bei ABB. Dass Givaudan sich gegen den Trend stemmen, liegt an einer Hochstufung durch Goldman Sachs. Die Experten haben eine Kehrtwende gemacht und empfehlen den Aromen- und Duftstoffkonzern neu zum Kauf, nachdem sie ihn zuvor mit Verkaufen eingestuft hatten.

KI-Abgaben und Zinsphantasie belasten

Diese erneuten Spannungen treffen auf einen Markt, der nach dem jüngsten US-Ausverkauf zum Wochenschluss ohnehin angeschlagen war. In den USA hatten sich am Freitag die Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor nochmals beschleunigt und zu deutlichen Kursverlusten geführt.

Auch der deutlich besser als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht für den Mai hatte diesen Ausverkauf gestützt. Denn die starken Daten liessen die Renditen von US-Staatsanleihen ansteigen. Dies schürte Befürchtungen, dass höhere Finanzierungskosten gerade jene Unternehmen belasten könnten, die stark in den Ausbau der KI investieren.

hr/cg

(AWP)