Befeuert werden die Ängste zum Wochenstart vor allem vom Ölpreis, der über die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar je Barrel gestiegen ist. Dabei zeichnet sich im Iran-Krieg weiterhin keine klare Strategie ab. Vielmehr verschärften sich die Spannungen, nachdem im Iran am Montag der Sohn von Ajatollah Ali Khamenei, Mojtaba Khamenei, zum Nachfolger seines Vaters und damit zum Obersten Führer ernannt wurde. Dies signalisiere, dass die Hardliner in Teheran die Kontrolle behalten. US-Präsident Donald Trump hatte den Sohn in der Nachfolgefrage als «inakzeptabel» bezeichnet.
Breiter Ausverkauf an den Börsen
Für den hiesigen Markt berechnet die Bank Julius Bär den vorbörslichen SMI gegen 08.15 Uhr um 1,9 Prozent tiefer auf 12'845,00 Punkten. Damit setzt sich der deutliche Abwärtstrend der Vorwoche fort, als der SMI 6,6 Prozent verloren hatte - die stärksten Abgaben seit dem «Liberation Day» von Donald Trump Anfang April vergangenen Jahres.
Ähnlich rasant dürften auch die wichtigsten europäischen Börsen starten. Die asiatischen Märkte haben bereits einen Vorgeschmack gegeben: Dort schlossen etwa der koreanische Kospi oder der japanische Nikkei um 6 respektive 5,2 Prozent tiefer. Die Wall Street wird ebenfalls mit deutlichen Abgaben erwartet.
Ölpreis knapp unter 120 US-Dollar
Am Ölmarkt haben sich die Preise etwas beruhigt. Ein Barrel der Sorte WTI ebenso wie Brent um die 107 US-Dollar. Im asiatischen Handel stiegen die Brent-Futures und die US-Rohöl-Futures der Sorte WTI kurzzeitig bis knapp unter 120 Dollar. Seit Beginn des Irankriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus inzwischen auf mehr als 50 Prozent: Ende Februar lag der Preis noch um die 70 Dollar pro Barrel. Für US-Präsident Trump stellt der Ölpreisanstieg ein kleines notwendiges Opfer dar.
Derweil werden die Finanzminister führender Industriestaaten (G7) laut einem Zeitungsbericht im Lauf des Tages in einer Dringlichkeitssitzung über eine mögliche gemeinsame Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Ziel der Sitzung sei es, den durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten Ölpreisanstieg abzufedern, berichtet die «Financial Times» am Montag unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen, darunter ein hochrangiger G7-Vertreter.
Roche durch Studiendaten belastet
In dem aktuellen Umfeld rücken Unternehmensnachrichten wieder einmal etwas in den Hintergrund. Bei Roche (-2,9 Prozent) belasten enttäuschende Studiendaten zusätzlich. Lonza (-1,5 Prozent) halten sich etwas besser als der Markt. Der Konzern vollzieht den letzten Schritt zu einem reinen Auftragsfertiger für die Pharmaindustrie. Der Verkauf des Geschäfts mit Kapseln und Nahrungsergänzungsmitteln wird den Baslern 3 Milliarden Franken oder mehr einbringen - aber erst in einigen Jahren.
hr/to
(AWP)

