Der Iran legte einen 10-Punkte-Plan vor, den Trump als «praktikable Grundlage für Verhandlungen» einordnet. Laut Händlern gibt es dabei sicher einige schwierige Knackpunkte, der Grundstein für Diplomatie sei aber gelegt - auch wenn die Waffenruhe sicher zunächst fragil sein dürfte. «Insgesamt dürfen wir aber am heutigen Tag eine Reaktion wie aus dem Lehrbuch erwarten - auch, weil bei einem nachhaltigen Waffenstillstand wohl die Zentralbankerwartungen korrigiert werden dürften», sagte ein Experte. Damit dürften auch die in den nächsten Tagen anstehenden Konjunkturdaten wieder wichtiger werden - besonders die US-Inflationszahlen.
Ölpreise kollabieren, Aktien fliegen
Bei den Ölpreisen kam es zu einer massiven Entspannung. Die Preise für Brent und WTI kollabierten förmlich um 13 bis 15 Prozent. Auch wenn viele Details insbesondere mit Blick auf den genauen Ablauf der Durchfahrt durch die Strasse von Hormus noch ungeklärt seien oder wie schnell die Energietransporte wieder Fahrt aufnehmen, sei zunächst einmal Durchatmen angesagt. In den kommenden Wochen müssten dann insbesondere auch die Schäden an den Förderanlagen bewertet werden. Es sei daher nicht zu erwarten, dass die Ölpreise unmittelbar auf das Vorkriegsniveau zurückfallen, heisst es von Analysten.
Für den SMI wird wie auch für die übrigen europäischen Börsenindizes eine fulminante Eröffnung erwartet, die Bank Julius Bär berechnet den Schweizer Leitindex am Morgen gegen 08.10 Uhr um 3,52 Prozent höher bei 13'240 Punkten. Vor Beginn des Iran-Kriegs hatte der SMI noch knapp über 14'000 Punkten notiert. Alle 20 Werte werden mit mehr als 2 Prozent im Plus erwartet. Der deutsche Dax wird um mehr als 5 Prozent fester erwartet und der britische FTSE 100 wird um knapp 3 Prozent höher indiziert.
Zu Einzelwerten gibt es wenig Nachrichten, die Erholung dürfte sich breit durch alle Sektoren ziehen. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass auf Branchen-Sicht etwa Bauwerte wie Holcim (+6,7 Prozent), Amrize (+3,9 Prozent), Geberit (+5,2 Prozent) und Sika (+4,6 Prozent) oder generell Zykliker, die stark gelitten hatten, sich auch entsprechend deutlicher erholen werden. Defensive Titel wie Nestlé (+2,3 Prozent) oder Versicherer wie Swiss Re (+3,5 Prozent) waren in der Krise ein Stabilitätsanker und hinken nun womöglich etwas hinterher.
Auch Tech-Werte wie Logitech (+5,0 Prozent), VAT (+6,4 Prozent) oder AMS Osram (+6,0 Prozent) könnten ganz vorne mit dabei sein. Denn gerade durch die erwarteten hohen KI-Investitionen ist die Zinsentwicklung entscheidend für die weitere Entwicklung der Branche.
Einen Blick wert sein dürften DocMorris (5,2 Prozent). Der Konkurrent Redcare Pharmacy hatte am Morgen ein deutliches Umsatzplus im ersten Quartal vorgelegt und die Aktien legen vorbörslich stark zu.
dm/hr
(AWP)

