«In den kommenden beiden Wochen stehen die Sitzungen der Europäischen Zentralbank, der Federal Reserve, der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of England auf dem Plan, weshalb dieser Bericht entscheidend sein könnte, um die nächsten Zinsschritte einschätzen zu können», kommentiert ein Händler. Derweil bleibt der Nahost-Konflikt weiterhin ungelöst und die Öffnung der Strasse von Hormus verzögert sich, was einen deutlichen Rückgang der Öl- und Gaspreise verhindert. «Diese geopolitischen Unsicherheiten belasten zwar die Rohstoffmärkte, doch die Stimmung an den Aktienmärkten zeigt sich überraschend widerstandsfähig», heisst es in einem Kommentar der Graubündner Kantonalbank.

Ähnlich wie die Aktien- und Devisenmärkte bewegen sich die Ölpreise am Freitag kaum. Die geopolitische Entwicklung im Nahen Osten bleibt bestimmend für die Preise. Dabei tendieren die Märkte nach einer Einschätzung der Deka Bank aber dazu, auf positive Nachrichten stärker zu reagieren, als sich von den regelmässig darauf folgenden Dementis entmutigen zu lassen. Generell bleiben die Märkte damit in einem Spannungsfeld zwischen geopolitischen Risiken, geldpolitischen Entscheidungen und konjunkturellen Entwicklungen.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert gegen 11.10 Uhr um 0,20 Prozent höher bei 13'367,67 Punkten. Gewinner und Verlierer halten sich im SMI die Waage. Auf Wochensicht zeichnet sich für den Leitindex damit aktuell ein Verlust von 1,3 Prozent ab. Der SMIM der mittelgrossen Werte steigt um 0,05 Prozent auf 2991,29 Punkten und der breite SPI um 0,14 Prozent auf 18'910,28 Punkte.

Willkommene Rotation

Händler heben zum Wochenschluss vor allem die jüngste Rotation hervor, bei der Investoren sich verstärkt aus Techwerten zurückziehen und vermehrt wieder auf Standardwerte setzen. Viele Strategen würden eine Ausweitung der Präferenzen begrüssen, kommentiert ein Marktteilnehmer. Damit wäre der Markt breiter abgestützt und weniger anfällig für einzelne Branchenschwächen.

Wie ein Blick auf die hiesigen Blue Chips zeigt, greifen Anleger zum Wochenschluss vor allem bei jenen Werten zu, die im bisherigen Jahresverlauf eher schwach abgeschnitten haben. So sind Werte wie Alcon, Swiss Re, die gebeutelten Partners Group oder auch Geberit mit Avancen von bis zu 1,4 Prozent unter den Gewinnern zu finden. Allesamt weisen sie im bisherigen Jahresverlauf zweistellige Kursverluste auf.

Im Gegenzug zählen mit ABB, Kühne+Nagel oder auch der UBS Titel zu den Verlierern, die seit Jahresbeginn gut zugelegt haben. Bei der UBS hat CEO Sergio Ermotti einmal mehr ein Bekenntnis zum Sitz in der Schweiz abgegeben. «Wir wollen unbedingt in der Schweiz bleiben, aus der Schweiz erfolgreich sein», sagte er am Donnerstag am Swiss Economic Forum (SEF).

Schwache Vorgaben aus den USA belasten derweil auch die hiesige Tech-Szene. Die aktuelle Korrektur wird mit einer enttäuscht aufgenommenen Prognose vom US-Konzern Broadcom erklärt. Neben VAT (-2,3 Prozent) sacken in den nachgelagerten Reihen vor allem AMS Osram (-8,3 Prozent), Comet (-3,5 Prozent) und Inficon (-1,4 Prozent) ab. Händler sprechen von einer steigenden Bereitschaft, Gewinne aus der seit April laufenden Rally mitzunehmen. Die damit frei werdenden Mittel wollen wieder investiert werden - beispielsweise könnten einige Anleger bereits Kapital sammeln, um am für kommenden Freitag geplanten SpaceX-IPO dabei zu sein.

Ansonsten fallen in den hinteren Reihen noch Burckhardt Compression (+3,4 Prozent) auf, die sich nach dem Einbruch am Vortag (-12 Prozent) etwas erholen. Gesucht sind auch Belimo (+2,1 Prozent) nach einer Hochstufung durch BNP Paribas.

hr/cg

(AWP)