«Was in Crans-Montana geschehen ist, ist eine menschliche Tragödie. Das Leid, das die betroffenen Familien erfahren, ist unvorstellbar», sagte Gersch zu AWP. «Aus Versicherungssicht werden mehrere Bereiche gefordert sein, die Gebäude- und Haftpflichtversicherungen ebenso wie Unfall-, oder gerade bei sehr jungen Opfern, die Krankenversicherung.»

«Jede dieser Sparten wird ihren Beitrag leisten müssen», so Gersch weiter, die vor gut einem Jahr die Leitung bei der Schweizer Tochter der deutschen Allianz Suisse übernommen hatte.

Versicherungsdeckung reicht nicht

Viele Sachverhalte zur Silvesternacht in der Bar «Le Constellation», in der 40 Menschen ihr Leben verloren und 116 Menschen teils schwere Verletzungen erlitten, sind noch nicht geklärt. Doch es zeichnet sich ab, dass die Schadensumme die Versicherungsdeckung übertrifft. Davor warnte auch Axa Schweiz, die die Grundhaftpflichtversicherung der Gemeinde und die Betriebshaftpflichtversicherung der Bar ist.

«Es ist leider absehbar, dass die Haftpflichtdeckungen nicht ausreichen werden, um sämtliche Schäden vollständig abzudecken», sagte Gersch. Wichtig sei jetzt, dass alle beteiligten Versicherer, vor allem im Bereich der Unfall- und Sozialversicherungen, schnell und koordiniert unterstützten.

«Für die wenigen Fälle, die bei uns liegen, stellen wir sicher, dass die Betroffenen unkompliziert, unbürokratisch und zügig Hilfe erhalten», versprach Gersch.

Runder Tisch «sinnvoll»

 

Axa Schweiz hatte zur Sicherung der finanziellen Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen der Brandkatastrophe die Bildung eines «Runden Tisches» angeregt. Die Idee: Sämtliche involvierten Parteien wie Vertreter der Opfer und der öffentlichen Hand sowie die involvierten Versicherer sollen in Gesprächen unbürokratische und langfristig tragfähige Lösungen definieren.

«In dieser Frage orientieren wir uns eng am Schweizerischen Versicherungsverband (SVV), mit dem wir seit Beginn der Ereignisse im Austausch stehen», sagte die Allianz-Suisse-Chefin. «Ein runder Tisch kann aus unserer Sicht sinnvoll sein, weil er eine koordinierte und transparente Zusammenarbeit erleichtert, insbesondere bei der Klärung komplexer Haftungs- und Deckungsfragen.» Zunächst müssten aber die noch offenen Fakten vollständig geklärt werden.

Helvetia-Baloise-Fusion eröffnet Chancen

Mit der Allianz Suisse will Gersch profitabel wachsen und Marktanteile zurückgewinnen. «Wir wachsen, indem wir unsere Stärke als Allbranchenversicherer nutzen und Lösungen aus einer Hand anbieten - vom Privat- bis zum Grosskunden», sagte sie. Besonders bei KMU sieht sie gutes Potenzial, bei neuen Produkten wie der Tierversicherung oder beim Thema Cyber.

Zudem könnten sich im Zuge der Helvetia-Baloise-Fusion Chancen ergeben. «Langfristig kann eine solche Fusion die Marktdynamik durchaus verändern», erklärte Gersch. «Erste Chancen sehen wir im Broker-Geschäft: Weil Broker ihren Kunden eine Mindestzahl an Offerten vorlegen müssen, könnten wir künftig häufiger in die engere Auswahl kommen.»

(Das vollständige Interview mit Laura Gersch ist in Kürze auf dem Premium-Dienst von AWP zu lesen).

mk/rw

(AWP)