Um 13.20 Uhr sind die Aktien von AMS Osram der Top-Shot an der Schweizer Börse. Sie gewinnen in einem leicht negativen Gesamtmarkt knapp ein Fünftel an Wert. Zwischenzeitlich schossen sie sogar um 40 Prozent hoch. Schon in den letzten vier Wochen waren die Papiere in der allgemeinen KI-Euphorie um mehr als die Hälfte gestiegen.

Die Erklärung für den Kurssprung ist in einer «Mischung aus positiven Nachrichten» zu suchen, wie es AMS-Osram-Chef Aldo Kamper formulierte. Neben überzeugenden Quartalszahlen und einem guten Ausblick seien auch die Fortschritte beim Turnaround und mögliche neue Geschäfte mit KI-Bezug an den Märkten goutiert worden.

Zahlen übertreffen Erwartungen

So hatte das Unternehmen am Vorabend überzeugende Quartalszahlen vermeldet. Mit seinem Umsatz und dem bereinigten EBITDA konnte das Unternehmen die Erwartungen der Analysten recht deutlich übertreffen.

Wegen Verkäufen von Geschäftseinheiten hatte das Management bereits einen Umsatzrückgang in Aussicht gestellt. Dieser fiel mit einem Minus von 3 Prozent auf 796 Millionen Euro jedoch weniger deutlich aus als befürchtet. Bei konstantem EUR/USD-Wechselkurs und mit fortgeführten Geschäften wären die Verkäufe sogar um 8 Prozent gestiegen. Die bereinigte EBITDA-Marge kam mit 16,5 Prozent am oberen Ende der Guidance zu liegen.

Auch die Prognosen für das zweite Quartal überzeugten. Für das laufende zweite Quartal stellt das Management einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro in Aussicht. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei «15 Prozent plus/minus 1,5 Prozentpunkte» liegen. Ebenso wurde die Guidance für das Gesamtjahr bestätigt.

Umbau kommt voran

Beim Konzernumbau habe das Unternehmen Fortschritte gemacht, sagte Kamper weiter. Die Fokussierung auf den Bereich Digital Photonics «trage erste Früchte» und bei den Einsparungen sei man im Plan.

Zudem verfüge das Unternehmen durch den Verkauf von Geschäftseinheiten über genügend flüssige Mittel, um alle Verbindlichkeiten in den nächsten Jahren bedienen zu können. Dazu zählen insbesondere auch die Refinanzierungen bestehender Anleihen. Hier erhofft sich das Unternehmen deutlich bessere Konditionen und entsprechend geringere Zinskosten.

Zudem soll der freie Cashflow 2027 wieder positiv werden, ergänzte Finanzchef Rainer Irle. In diesem Jahr werde dieser jedoch deutlich negativ ausfallen. Gründe sind vor allem der Konzernumbau, temporäre Übergangseffekte, die Reduzierung des Factorings und die Rückzahlung von Kundenanzahlungen.

KI-Hoffnungen stützen zusätzlich

Den finalen Schub für die heutige Kursreaktion dürften aber Ankündigungen rund um das Thema KI gegeben haben, wie auch Analysten hervorheben. So hatte das Unternehmen eine Entwicklungspartnerschaft für optische Datenübertragung mit einem KI-Infrastrukturanbieter angekündigt.

Noch sei die Entwicklung in einem frühen Stadium, sagte Kamper. «Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können», so der Firmenchef. Denn die Nachfrage nach solchen Lösungen gerade im KI-Bereich sei gross. In Zukunft könnte das Geschäft wesentliche Umsätze generieren. Bis spätestens 2030 sollen es rund 100 Millionen Euro sein, es könne aber auch schneller gehen.

Daneben sieht Kamper auch in KI-gestützten smarten AR-Brillen Wachstumspotenzial für das Unternehmen. Neben dem Bildschirm könne AMS Osram auch bei der Sensorik und anderen Bereichen Lösungen beisteuern, sagte Kamper. In den nächsten Jahren sollen hier ebenfalls dreistellige Millionenbeträge erzielt werden.

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(AWP)