Von einer «ausserordentlichen internationalen Solidarität» bereits in den ersten Stunden nach dem verheerenden Brand sprach am Freitag in Martigny VS etwa Aussenminister Ignazio Cassis. Dank der Aktivierung des Zivilschutzmechanismus der Europäischen Union hätten Schwerverletzte schnell zur Behandlung ins Ausland gebracht werden können. «Im Namen der Schweizer Regierung danke ich Ihnen für diesen Solidaritätselan», sagte der Bundesrat an der Medienkonferenz im Nachgang zur nationalen Gendenkfeier für die Opfer des Brandes.
Ein «internationales Drama»
Was an Neujahr in Crans-Montana geschehen sei, sei ein «internationales Drama». Denn Crans-Montana sei «ein Ort, an dem sich die Leute treffen - aus verschiedenen Ländern», so der Bundesrat. Er dankte allen Staaten sowie den Rettungskräften aus der Schweiz und dem Ausland für ihre Hilfe. «Ihre Hilfe war konkret, ihre Hilfe war entscheidend.»
Von einer «beispiellosen Mobilisierung» sprach die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib. «Stark und unmittelbar» sei sie gewesen. Vierundzwanzig Länder boten ihre Hilfe an. «Diese gemeinsame Anstrengung und Reaktionsfähigkeit sind ein Beispiel für europäische Solidarität.»
Nachdem die Schweiz den Europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert habe, sei das Land umgehend vom Krisenzentrum der EU kontaktiert worden. Letzteres habe rund um die Uhr gearbeitet, um die europäische Hilfe zu koordinieren. Zwei Verbindungsbeamte seien umgehend zum Einsatzort entsandt worden.
Auch der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard verwies auf die «enorme Solidarität», die nach dieser «schrecklichen Nacht» über Grenzen hinweg zum Ausdruck gebracht worden sei - über die Grenzen des Wallis, über die Grenzen der Schweiz. «Es ist also eine ganze Walliser, schweizerische, europäische, menschliche Gemeinschaft, die sich als präsent, bewegt, berührt und bereit erwiesen hat zu helfen.
Die Anwesenheit des Präsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron, und des Präsidenten Italiens, Sergio Mattarella zusammen mit dem Bundespräsidenten Guy Parmelin belegten dies, fuhr Reynard fort.
»Unsere Trauer ist grenzüberschreitend und vereint unsere Nationen in Trauer und Mitgefühl«, sagte derweil der serbische Botschafter in der Schweiz, Ivan Trifunovic.
Forderung nach Aufklärung und Gerechtigkeit
Zeitgleich forderten die Amtsträger auch eine Klärung der Verantwortlichkeiten für den verheerenden Brand in der Silvesternacht: »Dieses Drama vereint uns in der Trauer, aber es eint uns auch in der Verantwortung«, sagte etwa Staatsratspräsident Reynard. Die Umstände dieser Tragödie und die Verantwortung, auch der politischen Behörden, müssten vollständig geklärt werden.
»Diese Gerechtigkeit, diese Wahrheit sind wir den Opfern schuldig, und wir sind sie den Familien schuldig. Wir sind es der Gesellschaft als Ganzes schuldig«, sagte Reynard.
Der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer sagte an der Medienkonferenz, dass es Zeit für Gerechtigkeit sei. Es sei normal zu sagen, das Drama hätte vermieden werden können. Es sei normal, schockiert zu sein. Es sei normal, wütend zu sein. Und es sei verständlich, dass manche Menschen nach Schuldigen suchten, bevor die Justiz überhaupt ihre Arbeit getan habe.
Aber die Justiz müsse man jetzt arbeiten lassen. Die Staatsanwaltschaft sei sofort vor Ort gewesen, um den Sachverhalt zu ermitteln und die Schuldigen zu identifizieren, so Ganzer weiter.
Ins gleiche Horn blies auch Bundesrat Cassis: Dieser Tag der nationalen Trauer sei auch einer, an dem die Schweiz Verantwortung übernehmen müsse. »Eine Untersuchung findet statt, um zu ermitteln, wer genau verantwortlich war. In der Schweiz gibt es strenge Sicherheitsregeln - wenn diese Regeln nicht richtig angewandt oder kontrolliert wurden, ist das unakzeptabel«, sagte der Schweizer Aussenminister.
Auch die in Martigny nicht anwesende italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderte bereits früher an dem Tag Gerechtigkeit: Die Brandkatastrophe sei das Ergebnis davon, »dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht haben oder dachten, sie könnten leichtes Geld verdienen«, sagte Meloni. »Die Verantwortlichen müssen gefunden werden.«
Grosse Anteilnahme aus ganz Europa
Anstelle von Meloni war der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella anwesend. »Die heutige Zeremonie für die ungeheure Tragödie, die sich ereignet hat, erfordert nur wenige Worte: Trauer um die Opfer, volle Solidarität mit ihren Familien, liebevolle und beständige Nähe zu den jungen Menschen, die im Krankenhaus um ihr Leben kämpfen, Gerechtigkeit für das, was geschehen ist.«
Dies schrieb Mattarella in das Kondolenzbuch der Gedenkveranstaltung. Zuvor hatte der italienische Staatspräsident am Freitagmorgen in Zürich die Familien zweier junger Italiener in einem Spital besucht, die bei der Katastrophe am Neujahrstag verletzt worden waren.
Der an der Gedenkfeier ebenfalls anwesende französische Staatspräsident Emmanuel Macron gedachte den trauernden Familien derweil auf seinem offiziellen X-Account. Auch sprach er den Verletzten seine Solidarität aus.
Und auch der amtierende Generalsekretär des Europarats, Alt Bundesrat Alain Berset, bekundete auf X sein Beileid: »An diesem Tag, der von tiefer Trauer geprägt ist, sind meine Gedanken bei den Opfern des Dramas von Crans-Montana, ihren Familien und Angehörigen,« schrieb der ehemalige Bundesrat.
Die an der Gedenkfeier in Martigny anwesende europäische Parlamentspräsidentin Roberta Metsola bekräftigte auf X derweil die Solidarität Europas mit den Opferfamilien: »Gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs der Länder der Opfer der Tragödie von Crans-Montana gedachten wir der so plötzlich Verstorbenen und bekräftigten unsere unerschütterliche Unterstützung für alle, die diesen Schmerz tragen". Europa stehe solidarisch an ihrer Seite.
(AWP)
