Nach dem Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé sind nun auch sein französischer Konkurrent Danone sowie der Molkereikonzern Lactalis betroffen. Lactalis rief am Mittwoch in Frankreich sechs Chargen Säuglingsmilch der Marke Picot zurück, nachdem in einem von einem Lieferanten stammenden Inhaltsstoff das Toxin Cereulid festgestellt wurde. Das von bestimmten Bakterien gebildete Gift kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen.

Cereulid war auch Auslöser für Rückrufe von Säuglingsmilchchargen von Nestlé und Danone. In der Schweiz musste auch Hochdorf rund 10'000 Produkte entsprechend zurückrufen.

Die Lebensmittelbehörde von Singapur hatte am vergangenen Samstag den Rückruf von Säuglingsmilch der Marke Dumex angeordnet, die Danone im Jahr 2022 übernommen hatte. Nach Angaben der Behörde wurde in zwei weiteren Produkten Cereulid nachgewiesen.

Wohl derselbe Lieferant

Die Danone-Produkte könnten laut der Singapurer Behörde denselben Rohstoff aus derselben Quelle enthalten haben wie bereits zuvor beanstandete Chargen von Säuglingsnahrung bei Nestlé. Im Dezember sowie anfang Januar war deshalb bereits der Verkauf von bestimmten Nestlé-Produkten respektive Chargen in Singapur und anderen rund 60 Ländern gestoppt worden.

Es handelt sich um die grösste vorsorgliche Rückrufaktion in der Geschichte des Konzerns. In Frankreich ermitteln die Behörden, ob ein Zusammenhang mit dem Tod eines Babys besteht.

Bislang gibt es keinen bestätigten Zusammenhang mit Erkrankungen. Nestlé-CEO Philipp Navratil entschuldigte sich vergangene Woche in einer Videobotschaft bei Eltern und Betreuungspersonen für die entstandene Verunsicherung.

Besorgte Analysten

Die Nahrungsmittelkonzerne bekommen die Folgen zu spüren. Die Aktie von Danone brach am Mittwoch wegen des Rückrufs und gesenktre Kursziele mehrerer Analysten zeitweise um fast zwölf Prozent ein. In dem Sog gab auch Nestlé an der Schweizer Börse SIX um knapp 1 Prozent nach.

Analysten äusseren sich zunehmend besorgt. Der Fall entwickle sich laut der Bank Vontobel bei Nestlé zu einem «Albtraum» für das neue Führungsteam und scheine derzeit weitgehend ausser Kontrolle zu geraten, da es fast täglich negative Schlagzeilen gebe. Neben finanziellen und reputationsbezogenen Schäden dürfte die Affäre weitere Fragen zu den Qualitätskontrollen an den Produktionsstandorten sowie zu möglichen Unterinvestitionen im Zuge des Sparprogramms aufwerfen, hiess es in einem Kommentar.

(AWP)