Der US-Elektroautobauer Tesla wird die Produktion des Cybertrucks in seinem texanischen Werk Mitte kommenden Jahres einstellen. Damit sollen Kapazitäten für den Bau des Robotaxis Cybercab freigemacht werden, teilte Unternehmenschef und Milliardär Elon Musk am Freitag auf der Plattform X mit. Es blieb zunächst unklar, ob der Cybertruck in einer anderen Fabrik weiterhin gebaut oder komplett aus dem Angebot gestrichen werde. Allerdings gilt die Anlage in Austin als das einzige Tesla-Werk, in dem die spezifischen Teile für dieses Modell gefertigt werden können. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die Aktien des Autobauers stiegen im vorbörslichen Handel an der Wall Street um zwei Prozent.
Musk bezeichnete die Einstellung der Produktion als «Ende einer Ära». «Die Cybertruck-Flotte wird noch lange bestehen bleiben.» Es handele sich um das «beste Fahrzeug, das Tesla jemals gebaut hat». Mit seinem futuristischen und kontrovers diskutierten Design konnte sich dieser Pritschenwagen jedoch nicht gegen die etablierten und vor allem in den USA beliebten Pickups von Ford und General Motors (GM) durchsetzen.
Schwächelnder Absatz
Tesla weist die Absatzzahlen des Cybertrucks nicht separat aus, sondern fasst sie unter der Kategorie «Andere Modelle» zusammen. Deren Verkäufe brachen im dritten Quartal im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr um etwa ein Drittel auf knapp 8300 ein. Ford verkaufte im gleichen Zeitraum rund 562.000 Pickups seiner F-Serie. Dem Branchendienst Kelley Blue Book zufolge wurden im Gesamtjahr 2025 etwa 20.000 Cybertrucks abgesetzt. Musk hatte vor der Markteinführung 2023 ein Ziel von 250.000 Einheiten jährlich vorgegeben.
Der Produktionsstopp sei angesichts der schwachen Verkaufszahlen folgerichtig, betonte Andy Palmer, der frühere Chef des Sportwagenbauers Aston Martin. «Jeder vernünftige Autoliebhaber würde das Gleiche sagen.» Auf die Bilanz von Tesla werde dies jedoch nur minimale Auswirkungen haben. Branchenanalyst Felibe Munoz wies darauf hin, dass auch die elektrischen Varianten konkurrierender Pickups bei US-Verbrauchern auf wenig Gegenliebe stiessen. In Europa wurde der Cybertruck wegen seiner spitzen Winkel und scharfen Kanten in der Karosserie nie zugelassen. Er erfüllt die Anforderungen an den Fussgängerschutz nicht.
Tesla hatte zudem immer wieder mit Qualitätsproblemen beim Cybertruck zu kämpfen. Sie begannen mit der ersten Präsentation 2019. Damals schlug Musk mit einem Vorschlaghammer auf die Scheiben ein, um deren Bruchsicherheit zu demonstrieren. Dabei entstanden in zwei von ihnen riesige Risse. Darüber hinaus musste das Unternehmen die Fahrzeuge wiederholt zurückrufen. «Der Cybertruck war eine grossartige Plattform für technologische Entwicklungen und lebt nun im Cybercab weiter», betonte Wes Morrill, leitender Ingenieur des Cybertruck-Projekts, auf X.
Die neue Wette
Das Cybercab, das künftig in den Produktionsanlagen für den Cybertruck zusammengebaut werden soll, gilt als Eckpfeiler von Musks Plänen, Tesla zu einem Hersteller von Robotern und autonomen Fahrzeugen umzubauen. Das Fahrzeug kommt ohne Lenkrad, Pedale oder Rückspiegel aus. Die sogenannten Schmetterlingstüren öffnen sich wie bei einigen Supersportwagen schräg nach oben.
Musk zufolge wird das Cybercab langfristig Teslas Volumenmodell und als Robotaxi weltweit zum Einsatz kommen. Das Fahrzeug befindet sich bereits im texanischen Austin im kommerziellen Probebetrieb. Allerdings hat die US-Verkehrsbehörde NHTSA Ermittlungen gegen Tesla aufgenommen. Es geht um die Frage, ob die Fahrzeuge den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.
(Reuters)

