Der Zementhersteller Holcim präsentiert am Freitag, 27. Februar, das Ergebnis zum Geschäftsjahr 2025. Zum AWP-Konsens haben insgesamt 13 Analysten beigetragen.

2025
(in Mio Fr.)           AWP-Konsens   2024   

Nettoumsatz              15'790    16'201
Wiederkehrender EBIT      2'862     2'837
- Marge (in Prozent)             18,2      17,5
Reinergebnis              1'833     1'456

(in Fr.)
Dividende je Aktie         1,69      3,10

Wie läuft das Geschäft?

Analysten erwarten ein solides Ergebnis von Holcim. Zwar sorgen Währungseffekte durch den starken Franken und Verkäufe von Ländergesellschaften für Druck auf den Umsatz. Dafür dürften die Verkäufe in Lokalwährungen leicht gewachsen sein.

Die grösste Region Europa, und vor allem Westeuropa, dürfte langsam aus der Talsohle herausfinden. Aufwärtstendenzen zeigen sich auch im lange schwachen Wohnungsbau in Deutschland und Frankreich, während der Gewerbe- und Infrastrukturbau anzieht. Zudem dürfte das Geschäft in Osteuropa gut gelaufen sein. Holcim profitiert von der Nachfrage nach CO2-ärmerem Zement und Beton. Der Betriebsgewinn wird sich deutlich verbessert haben.

In Lateinamerika stellt sich die Frage, inwieweit sich das Geschäft von den Verzögerungen im Sommerquartal erholt hat. In Mexiko hatte es Verschiebungen bei Infrastrukturprojekten gegeben. In Lateinamerika wird im Jahresvergleich ein Gewinntaucher erwartet. Und in der Region Asien, Mittlerer Osten und Afrika wird sich der Verkauf des Nigeria-Geschäftes bemerkbar machen.

Welche Ziele strebt Holcim an?

Für das laufende Jahr erwartet Holcim ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in lokaler Währung. Der wiederkehrende EBIT soll gleichzeitig um 6 bis 10 Prozent in lokaler Währung zulegen. Die entsprechende Marge soll mehr als 18 Prozent erreichen. Zudem peilt Holcim einen Free Cashflow vor Leasingverhältnissen von rund 2 Milliarden Franken an. Zudem soll das Geschäft mit recycelten Bau- und Abbruchmaterialien um über 20 Prozent wachsen.

Was steht sonst noch im Fokus?

Anfang Februar schickten Medienberichte über eine mögliche Lockerung des EU-Emissionshandels die Aktien von Holcim und Konkurrent Heidelberg Materials in den Keller. Damit könnte die EU-Kommission ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument, den Europäischen Emissionshandel (ETS), abschwächen, hiess es. Nach bisherigen Plänen sollen diese kostenlosen CO2-Zertifikate in den kommenden 15 Jahren auslaufen und schrittweise durch die CO2-Importgebühr ersetzt werden. Die Gebühr soll genauso hoch sein, wie die Kosten für CO2-Zertifikate innerhalb der EU gewesen wären.

Dies hat die Preise für CO2-Zertifikate verteuert, weshalb Unternehmen wie Holcim oder Heidelberg Materials ihre Zementpreise deutlich erhöht haben. Wird das Zertifikatsregime zeitlich gestreckt, steigen die Preise für Zertifikate weniger stark. Damit hätten die Unternehmen weniger Macht, die Preise zu erhöhen und ihre die Margen zu verbessern, urteilten Marktbeobachter. Das hätte aber erst langfristig Auswirkungen auf Holcim, so nach 2030. Kurzfristig dürften keine wesentlichen Effekte zu erwarten sein.

Das EU-Emissionsregime würde nach Ansicht eines Experten aber nur aufgeweicht, nicht abgeschafft. Die Dekarbonisierung sei nicht in Frage gestellt und auch politisch nicht mehr umkehrbar. Zudem hätten die Firmen durch die Aufweichung des Emissionshandels auch weniger Kosten.

Wie sieht es bei M&A aus?

Holcim hat die Einkaufstour im Baumaterialbereich im Schlussquartal fortgesetzt. Zuletzt wurde der französische Baustoffkonzern Alkern übernommen, der unter anderem vorgefertigte Betonelemente für nachhaltiges Bauen herstellt. Das Unternehmen macht einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro. Die grösste Übernahme seit Jahren hat Holcim im Oktober angekündigt: Für 1,85 Milliarden Euro soll der deutsche Wandsystem-Hersteller Xella übernommen werden, der rund 1 Milliarde Euro an zusätzlichem Umsatz bringt. Weitere Übernahmen gab es in Peru, in Grossbritannien, Deutschland und Frankreich.

Auf der anderen Seite hat Holcim das Geschäft in Nigeria mit einem Unternehmenswert von 838 Millionen Dollar an den chinesischen Konzern Huaxin Cement verkauft.

Wie läuft die Aktie?

Die Holcim-Aktie kannte seit der Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts in einen eigenen Konzern mit Namen Amrize am 23. Juni praktisch nur den Weg nach oben. Seit dem Allzeithoch (ohne Amrize) bei 82,54 Franken am 3. Februar gab es aber einen herben Kurstaucher durch die Berichte über eine mögliche Lockerung der EU-Emissionsregeln. In den letzten Tagen konnte sich der Kurs wieder etwas davon erholen und steht aktuell bei 74,88 Franken.

Website: www.holcim.com

an/jb

(AWP)