Der Zementhersteller Holcim gibt am Freitag, 24. April, das Geschäftsergebnis zum ersten Quartal 2026 bekannt. Insgesamt sechs Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
Q1 2026 (in Mio Fr.) AWP-Konsens Q1 2025 Umsatz 3'441 3'696 EBIT* 408 485 - Marge (in Prozent) 11,8 13,1 * wiederkehrend
Wie läuft das Geschäft?
Holcim dürfte im ersten Quartal einen deutlichen Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn ausweisen. Gründe dafür sind der harte Winter in einigen europäischen Ländern und Währungseffekte. Aber auch der Verkauf von Geschäften in Nigeria, Jordanien sowie im Irak wird den Umsatz und den wiederkehrenden Betriebsgewinn belastet haben. Organisch dürfte Holcim indes gewachsen sein. Allerdings ist das erste Quartal das kleinste im ganzen Jahr. Die Auswirkungen für das Gesamtjahr sind deshalb beschränkt. Analysten rechnen mit einer Verbesserung des Geschäftsgangs im weiteren Verlauf des Jahres. Dann beginnen auch die Preiserhöhungen von Holcim auf breiter Front zu greifen. In der zweiten Jahreshälfte erwartet Konzernchef Miljan Gutovic dann Effekte aus dem riesigen deutschen Infrastrukturprogramm.
Die direkte Exposition von Holcim im Mittleren Osten ist gering. Analysten schätzen, dass rund 2 Prozent des Konzernumsatzes dort erzielt werden. Auch der massive Anstieg der Dieselpreise als Folge des Iran-Kriegs sorgt für keinen Gewinneinbruch. Denn Holcim kann diese Teuerung durch Aufschläge auf die Kunden überwälzen.
Welche Ziele strebt Holcim an?
2026 erwartet Holcim ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in lokaler Währung. Der wiederkehrende EBIT soll gleichzeitig um 8 bis 10 Prozent in lokaler Währung zulegen. Die entsprechende Marge soll weiter steigen. Zudem peilt Holcim einen Free Cashflow von rund 2 Milliarden Franken an. Darüber hinaus soll das Geschäft mit recycelten Bau- und Abbruchmaterialien um über 20 Prozent wachsen. Analysten rechnen mit einer Bestätigung dieser Ziele.
Geht die Einkaufstour weiter?
Nach dem Erwerb von 50,1 Prozent am peruanischen Konzern Cementos Pacasmayo für 550 Millionen US-Dollar will Holcim den Anteil weiter aufstocken. Ende März kündigte Holcim ein Pflichtangebot für weitere Aktien von Cementos Pacasmayo an, ohne weitere Angaben dazu zu machen. Cementos Pacasmayo erzielte 2025 einen Umsatz von 630 Millionen Dollar und eine operative Marge (EBITDA) von 28 Prozent. Die Übernahme soll Synergien von rund 40 Millionen US-Dollar ab dem dritten Jahr bringen.
Zudem baut Holcim das Geschäft in Kolumbien mit dem Kauf der Baustoff- und Baulösungsaktivitäten von Cemex für 485 Millionen Dollar aus. Die übernommenen Einheiten sollen im Jahr 2026 einen Nettoumsatz von rund 360 Millionen Dollar erzielen. Der Zukauf soll bereits im ersten Jahr den Gewinn je Aktie erhöhen.
Ausserdem beteiligt sich Holcim am britischen Technologieunternehmen Vateris. Damit will der Baustoffkonzern die Technologie zur CO2-Mineralisierung weiterentwickeln und deren Einsatz in der Betonproduktion vorantreiben. Angaben zu Kaufpreis oder Beteiligungshöhe wurden nicht genannt.
Wie läuft die Aktie?
Die geplante Reform des EU-Emissionshandelssystems (ETS) sowie der Iran-Krieg haben der Holcim-Aktie einen Schlag versetzt. Grund war die Sorge, dass der Emissionshandel deutlich abgeschwächt werden könnte, um Unternehmen im internationalen Wettbewerb von den Abgaben dafür zu entlasten. Holcim und Konkurrent Heidelberg Materials gelten als Profiteur der stärkeren Klimaschutzmassnahmen, da sie führende Positionen bei der Dekarbonisierung und Abscheidung von CO2-Emissionen im Produktionsprozess haben.
Anfang April zeichnete sich bei einem Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs eher eine Feinabstimmung als eine grundlegende Systemänderung des Emissionshandels ab. Damit würde ein Preisrisiko für Zement beseitigt, befand ein Analyst. Seither hat die Holcim-Aktie einen guten Teil des Kursrückschlags von Februar aufgeholt.
Website: www.holcim.com
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(AWP)
