Das Logistikunternehmen Kühne+Nagel veröffentlicht am Freitag, 24. April, die Zahlen zum ersten Quartal 2026. Insgesamt haben sechs Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.

Q1 2026
(in Mio Fr.)      AWP-Konsens  Q1 2025  

Nettoumsatz          5'577     6'330
Rohertrag            2'102     2'237
EBITDA                 509       627
EBIT                   285       402
Reingewinn             201       303

(in Prozent)
Konversionsrate       13,5      18,0

Was steht im Fokus?

Der Logistiker Kühne+Nagel dürfte ein schwieriges Quartal hinter sich haben. Analysten erwarten bei allen Kennzahlen deutlich rückläufige Werte. Die Politik von US-Präsident Donald Trump und eine Konsumflaute in einigen Teilen der Welt verursachten in der zweiten Jahreshälfte 2025 einen Margenzerfall, der sich nun im ersten Quartal 2026 fortgesetzt haben dürfte. Der Iran-Krieg sorgt zwar für mehr Komplexiät, was dem Geschäft von Kühne+Nagel grundsätzlich zugute kommt. Kaum ein Experte erwartet aber für das Q1 schon mit grossen positiven Effekten.

Beim Vorjahresvergleich muss allerdings berücksichtigt werden, dass es im Vorjahr wegen Trumps Zollhammer Vorzieheffekte gab. Die Aussicht auf steigende US-Zölle hatte im Startquartal 2025 zu erhöhten Frachtbewegungen geführt. Zahlreiche Firmen hatten damals aus Sorge vor späteren hohen Zöllen Produkte in ihre US-Lager verfrachtet und diese aufgebaut. Konkret war im Vorjahresquartal der Nettoumsatz um 15 Prozent auf 6,33 Milliarden Franken in die Höhe schnellt.

Was bedeutet die Schliessung der Strasse von Hormus?

Im Zuge der Sperrung der Strasse von Hormus im Nahen Osten sind die internationalen Lieferketten massiv gestört, allen voran im Transport von Öl und Gas. Und sollte die Handelsroute geöffnet werden, dürfte es Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis sich die gestörten Lieferketten wieder normalisiert haben.

Kühne+Nagel hat als Reaktion auf die Krise alternative Routen ins Programm aufgenommen, um Engpässe zu bewältigen. Dazu zählen auch Landbrücken-Lösungen, wie Seefracht-Manager Paolo Montrone erklärte. Kompliziertere Lieferketten sind für den Konzern aber nicht nur nachteilig. Denn je schwieriger es ist, Waren zu transportieren, desto höhere Preise sind Kunden bereit zu bezahlen. Vor allem die Raten in der Seefracht steigen etwa wegen steigender Ölpreise und Versicherungsprämien.

Wie will Kühne+Nagel die Profitabilität steigern?

Vergangenen Herbst hatte Kühne+Nagel zur Steigerung der Profitabilität das laufende Sparprogramm ausgeweitet. Neu dürften über 2000 Jobs wegfallen, nachdem zuvor von einem Abbau von 1000 bis 1500 Vollzeitstellen die Rede gewesen war. Per Ende 2025 wies das Unternehmen gut 80'000 Vollzeitstellen aus. Mit den Massnahmen sollen die Kosten um 200 Millionen Franken pro Jahr reduziert werden, wobei auch durch den Einsatz von KI signifikante Effizienzgewinne erwartet werden.

Wie lauten die Ziele für 2026?

Für das Jahr 2026 rechnet Kühne+Nagel mit einem EBIT im Bereich von 1,2 bis 1,4 Milliarden Franken nachdem dieser 2025 ohne Einmalkosten bei 1,38 Milliarden zu liegen kam. Die Zielvorgabe sei aber auch von einer gewissen Vorsicht geprägt, sagte CFO Markus Blanka-Graff Anfang März. «Wir erhöhen die Guidance im Jahreslauf lieber, als dass wir sie reduzieren.» Analysten der ZKB rechnen ab dem zweiten Quartal mit Rückenwind für die Profitabilität in der See-, Luft- und Strassenlogistik. Zugleich dürfte jedoch die sich abschwächende Konsumentenstimmung die Containervolumen negativ beeinflussen.

Kann sich die Aktie weiter erholen?

An der Börse hat die Aktie von Kühne+Nagel im Vorfeld der Quartalsberichterstattung Aufwind erhalten und sich von den US-Zollwirren-bedingten und Profitabilitätssorgen ausgelösten Kurseinbussen des Vorjahres weiter erholt. Steigende Frachtraten und die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität sind Kursstützen. Seit Jahresbeginn stehen die Titel mit über 10 Prozent im Plus.

Website: www.kuehne-nagel.com

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(AWP)