Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller veröffentlicht am Donnerstag, 23. Juli, das Geschäftsergebnis für das erste Semester 2026. Insgesamt elf Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.

H1 2026
(in Mio Fr.)           AWP-Konsens  H1 2025  

Umsatz                   43'041     44'228
EBIT underlying*          7'004      7'287
- Marge (in Prozent)             16,3       16,5

(in Prozent)
Organisches Wachstum        3,6        2,9
RIG                         1,6        0,2

Q2 2026
(in Prozent)                 AWP-Konsens  Q1 2026  

Organisches Wachstum        3,6        3,5
RIG                         1,9        1,2

* Trading Operating Profit

Wie kommt die Erholung der Absatzmengen voran?

Das für Nestlé wichtige interne Realwachstum (RIG), das die Entwicklung von Absatzmengen und Produktmix abbildet, dürfte sich im ersten Halbjahr klar verbessert haben, nachdem es im Vorjahr praktisch stagniert hatte. Dabei gehen die Analysten für das zwei Quartal von einer Beschleunigung aus: Gemäss AWP-Konsens rechnen sie mit einem RIG von 1,9 Prozent, nachdem es im ersten Quartal 1,2 Prozent waren.

Damit würde das Wachstum stärker von verkauften Mengen und weniger von höheren Preisen getragen. Das ist wichtig, weil sich nach mehreren Inflationsjahren weitere Preiserhöhungen insbesondere in Europa und den USA schwieriger durchsetzen lassen. Ein Teil der Verbesserung dürfte technischen Effekten geschuldet sein. So lässt die Belastung durch den Rückruf von Säuglingsnahrung nach, während in China schwache Vergleichswerte und die Neuordnung der Vertriebskanäle helfen.

Liefern Kaffee und Tierfutter wieder verlässlich Wachstum?

Besonders im Blick stehen die beiden wichtigen Wachstumsmotoren Kaffee und Tierfutter. Bei Kaffee erwarten die Analysten weiterhin eine robuste Nachfrage, insbesondere bei Nescafé und Nespresso. Allerdings dürfte der Beitrag von Preiserhöhungen nachlassen. Zudem kämpft Nestlé in den USA mit operativen Problemen bei den Coffee-Mate-Kaffeeweissern, eine Form von Milchersatz.

Im Tierfuttergeschäft deuteten jüngste Marktdaten auf eine Verbesserung hin. Vor allem Katzenfutter dürfte von zusätzlichen Produktionskapazitäten und einer Normalisierung nach vorgezogenen Käufen Ende 2025 profitieren. Bei Hundefutter ist die Entwicklung weniger eindeutig.

Regional dürfte das Wachstum in den Schwellenländern und in Teilen Asiens am stärksten ausfallen. In Europa belasten eine schwache Konsumentenstimmung und ein intensiver Wettbewerb. Auch die USA bleiben ein Unsicherheitsfaktor: Dort liefen Kaffee und Tierfutter zuletzt zwar ordentlich, das Konsumumfeld gilt aber weiterhin als schwierig.

Wann dreht die Marge wieder nach oben?

Die operative Gewinnmarge war laut Prognosen im ersten Halbjahr weiter unter Druck. Belastet wurde sie demnach durch vorübergehend hohe Kaffee- und Kakaokosten, US-Zölle sowie zusätzliche Ausgaben für Werbung, Innovationen und die Stärkung wichtiger Marken. Die Erwartungen richten sich daher bereits stark auf die zweite Jahreshälfte. Dann sollen günstigere Rohstoffkosten und das Sparprogramm stärker greifen. Nestlé will 2026 zusätzliche Einsparungen von 900 Millionen Franken erzielen.

Der entscheidende Balanceakt besteht darin, Kosten zu senken und gleichzeitig genug in Marketing und Forschung zu investieren. Aus Sicht mehrere Analyten muss Nestlé in mehreren Kategorien wieder an Markenstärke und Marktführerschaft gewinnen. Ein kurzfristig höherer Gewinn allein würde entsprechend kaum genügen, falls er zulasten der notwendigen Investitionen erzielt würde.

Was wird neben den Zahlen wichtig?

Die Analysten erwarten mehrheitlich, dass Nestlé den Jahresausblick bestätigt. Dieser sieht ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent und eine Verbesserung der operativen Marge gegenüber 2025 (16,1 Prozent) vor. Daneben dürften Aussagen zu den geplanten Verkäufen von Unternehmensteilen interessieren. Dazu gehören das von Analysten auf gegen 5 Milliarden Franken bewertete Wassergeschäft, Teile des Geschäfts mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln sowie die verbliebene Beteiligung am Speiseeisgeschäft Froneri.

Gemäss einem Bloomberg-Bericht vom Juni hat sich der Private-Equity-Partner Pai Partners aus dem Bieterprozess für einen Anteil an der Wassersparte zurückgezogen. Anfang Mai hatte sich bereits die US-Beteiligungsgesellschaft KKR aus dem Bieterprozess verabschiedet. Die Veräusserungen und Einsparungen sind für den Abbau der hohen Verschuldung wichtig. Diese lag zuletzt bei rund 51 Milliarden Franken.

Was macht der Aktienkurs?

Die Nestlé-Aktien haben sich nach der Schwächephase des Vorjahres deutlich erholt. Seit Jahresbeginn legten die in turbulentem Umfeld als devensiv geltenden Werte knapp 9 Prozent zu und entwickelten sich damit etwa im Gleichschritt mit dem Schweizer Leitindex SMI. Auf Sicht von vier Wochen schnitten die Titel mit einem Plus von 8,6 Prozent sogar klar besser ab als der Gesamtmarkt. Viele Anleger setzen darauf, dass sich das Mengenwachstum weiter verbessert und die eingeleiteten Massnahmen zur Stärkung der Marken sowie zur Kostensenkung ihre Wirkung entfalten.

lh/to/jl

(AWP)