Die Zurich-Gruppe gibt am Donnerstag, 6. August, die Ergebnisse zum ersten Semester 206 bekannt. Insgesamt haben sechs Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
H1 2026 (in Mio USD) AWP-Konsens H1 2025 Betriebsgewinn (BOP) 4'612 4'227 Reingewinn 3'426 3'065 P&C BOP 2'682 2'429 (in Prozent) P&C Combined ratio 92,4 92,4 (in Mio USD) Life BOP 1'144 1'031 Farmers BOP 1'210 1'154 30.06.2026 (in Mio USD) AWP-Konsens 31.12.25 Eigenkapital 30'982 28'515
Bleibt die Gruppe in der Wachstumsspur?
Die Zurich ist in den letzten Jahren in der wichtigen Schaden- und Unfallsparte (P&C) stetig gewachsen und hat die Profitabilität gesteigert. Das war auch 2025 der Fall: Da stiegen die Prämieneinnahmen auf vergleichbarer Basis um 5 Prozent, die Combined Ratio verbesserte sich um 1,6 Punkte auf 92,6 Prozent und der operative Gewinn schoss um 22 Prozent hoch. Tariferhöhungen, Wachstum in profitablen Segmenten und Effizienzsteigerungen waren dafür massgeblich verantwortlich.
Im 2026 dürfte die Zurich an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Zum ersten Quartal wies die Gruppe ein Wachstum im P&C-Geschäft von bereinigt 8 Prozent aus, getragen von einer starken Entwicklung in Lateinamerika. Die Zurich hat die Tarife weiter erhöht, wenn auch nur noch um durchschnittliche 2 Prozent. Zulegen konnte die Gruppe in Zielmärkten wie der Spezialversicherung und im Middle Market mit mittelgrossen Firmen. Die Entwicklung im Lebengeschäft dürfte nach dem sehr starken Vorjahr gedämpft ausfallen.
Wie läuft die Beazley-Integration?
In der Spezialversicherung macht die Zurich mit dem Zukauf der britischen Beazley-Gruppe den nächsten grossen Schritt. Den von der Zurich Anfang des Jahres angekündigten Plänen haben die Beazley-Aktionäre Ende April zugestimmt und die Übernahme im Umfang von knapp 11 Milliarden Dollar soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.
Der Fokus der Anleger richte sich weiter auf die Beazley-Integration und etwaige Informationen des Managements dazu, hält die Bank Vontobel fest. Entscheidend dafür seien unter anderem die Anbindung von Beazley-Underwritern sowie die Ausschöpfung des vollen Wertsteigerungspotenzials. Ein weiterer, allerdings deutlich kleinerer Zukauf, den die Zurich jüngst getätigt hat, ist jener des irischen P&C-Geschäfts von Mitkonkurrent Generali.
Bleibt Zurich mit Mario Greco auf Zielkurs?
Klappt die Beazley-Integration, dann ist Zurich auf einem guten Weg, die bis 2027 gesetzten Ziele zu übertreffen. Davon sind das Management wie auch Analysten überzeugt. Im laufenden Dreijahresprogramm will der Konzern eine Eigenkapitalrendite zum Bruttogewinn von über 23 Prozent sowie ein jährliches Plus zum Gewinn je Aktie von mindestens 9 Prozent erreichen. Die Vorgaben für die nächste Dreijahresperiode werden im nächsten Jahr präsentiert.
Dies könnte unter neuer Leitung geschehen, da CEO Mario Greco bald für eine neue Chefin oder einen neuen Chef Platz machen dürfte. Mehrere Faktoren sprechen für einen Wechsel: Der heute 67-jährige Greco steuert auf die 70 zu und er hat den weltweit tätigen Versicherer seit 2016 als CEO zu einem kerngesunden und kapitalstarken Konzern geformt. Der neue Dreijahresplan für die Jahre 2027 bis 2030 dürfte von einer neuen Person umgesetzt werden.
Aussichtsreiche Kandidaten auf die Greco-Nachfolge sind Europa- und Retailchef Kristof Terryn, Finanzchefin Claudia Cordioli, die US- und Commercial-Insurance-Chefin Sierra Signorelli oder Alison Martin, die seit Anfang 2026 das Lebengeschäft und den Bankvertrieb leitet. Auch der frühere Chef der Zurich Schweiz, Juan Beer, zählte bis zu seinem abrupten Abgang im Frühjahr zu diesem Kreis.
Wie weiter im Finma-Enforcement-Verfahren?
Weshalb Beer die Gruppe im März verliess, war damals nicht klar. Mittlerweile deuten Medienberichte darauf hin, dass der Abgang mit dem Enforcement-Verfahren zusammenhängen könnte, das die Finma gegen Zurich Schweiz eingeleitet hat. Im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge seien über Jahre hinweg regulatorische Vorgaben missachtet und im Risikogeschäft Tarife angewendet worden, die von der Finma nicht genehmigt waren, so die Vorwürfe.
Der «SonntagsBlick» hatte über den Fall zuerst berichtet. Die Verantwortlichen hätten das Problem verborgen und interne Kontrollstellen getäuscht, legte die «NZZ am Sonntag» nach. Nach dem Auffliegen kündigte die Zurich mehreren Managern, hiess es. Welche finalen Konsequenzen der Fall hat, ist noch unklar. Die Finma hat es der Zurich Schweiz bereits untersagt, gewisse Produkte zum streng regulierten BVG-Geschäft an Neukunden zu verkaufen.
Bleibt die Aktie auf Vormarsch?
Die Zurich-Aktie hat sich seit Jahresbeginn insgesamt positiv entwickelt und steht mit rund 10 Prozent im Plus. Weder das Enforcement-Verfahren, das mit der Schweiz einen vergleichsweise kleinen Markt der Gruppe betrifft, noch der Krieg im Nahen Osten, wo Versicherer durch Kriegsausschlussklauseln geschützt sind, belasten die Titel. Demgegenüber erhalten sie vom guten Lauf an den Finanzmärkten Rückenwind.
Website: www.zurich.com
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(AWP)
