Vor der Festnahme war der Barbetreiber sechs Stunden lang einvernommen worden, wie die Walliser Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud schrieb in ihrer Mitteilung, den Entscheid über die Anordnung von Untersuchungshaft treffe das Zwangsmassnahmengericht. Es gelte die Unschuldsvermutung.
Das Betreiber-Ehepaar Jacques und Jessica Moretti war gegen 8 Uhr in Begleitung ihrer drei Anwälte bei der Staatsanwaltschaft eingetroffen. Das französische Ehepaar wurde von der Walliser Kantonspolizei eskortiert. Es musste sich einen Weg durch rund 50 Journalisten bahnen.
Drei Staatsanwältinnen leiteten die Befragungen. Mehrere Anwälte der Opfer konnten an diesen Vernehmungen teilnehmen.
Jessica Moretti entschuldigt sich
Jessica Moretti entschuldigte sich später vor Journalisten: «Meine Gedanken sind ständig bei den Opfern. Es ist eine unvorstellbare Tragödie, und sie hat sich in unserer Bar ereignet. Ich kann mich nur bei allen Opfern und den Menschen entschuldigen, die noch heute um ihr Überleben kämpfen.» Ihre Anwälte lehnten jeden Kommentar ab.
Gemäss den italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos, die sich wiederum auf Aussagen der Anwälte beriefen, muss Jessica Moretti eine elektronische Fussfessel tragen.
Zur Untersuchungshaft wollte sich der Anwalt mehrerer Opferfamilien nicht äussern. Das Hauptanliegen der Familien bleibe das Risiko des Verschwindens von Beweisen oder einer Beeinflussung der zu erhebenden Zeugenaussagen, sowohl seitens der Angeklagten als auch seitens der Behörden, die Verstösse eingeräumt haben.
Es sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft, unverzüglich die notwendigen Ermittlungen durchzuführen, um dem entgegenzuwirken.
Noch kein Entscheid über Gemeinde als Zivilpartei
Über den Antrag der Gemeinde Crans-Montana, als Zivilpartei in diesem Fall aufzutreten, hat die Walliser Staatsanwaltschaft am Freitag noch keine Entscheidung getroffen. Derweil zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Freitag den italienischen Aussenminister Antonio Tajani mit den Worten, aus seiner Sicht sollte sich der italienische Staat als Zivilkläger am Verfahren beteiligen oder sich einer Zivilklage anschliessen.
Dieser Schritt bedeutet laut Informationen der Berner Justiz zu Strafverfahren, dass jemand Schadenersatz geltend machen will.
Entschuldigung der Gemeinde
Drei Tage nachdem Vertreter der Gemeinde Crans-Montana vor die Medien getreten waren, entschuldigte sich Vize-Gemeindepräsidentin Nicole Bonvin-Clivaz im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. «Wir entschuldigen uns und bitten alle Familien, die trauern und leiden, um Vergebung», sagte sie RTS am Freitag kurz nach der Gedenkfeier für die Opfer in Martigny. Sie räumte Fehler und Versäumnisse ein, die durch die Untersuchung geklärt werden müssten.
Am Dienstag an der Medienkonferenz des Gemeinderats von Crans-Montana war keine solche Entschuldigung ausgesprochen worden, was viel Kritik hervorrief.
(AWP)
