Vor rund einem Jahr war Basel Austragungsort des 69. Eurovision Song Contest (ESC). Mehr als eine halbe Million Menschen besuchten Basel, weltweit verfolgten 166 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer den Anlass. Gewonnen wurde der ESC in der St. Jakobshalle vom österreichischen Countertenor JJ mit dem Song «Wasted Love».

Basel Tourismus verzeichnet seit dem ESC ein grosses internationales Medieninteresse und mehr Anfragen unterschiedlichster Publikationen, wie Direktorin Letizia Elia auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Zudem zeige sich ein typischer Effekt grosser Events: Die hohe mediale Präsenz, Influencer-Bilder und Berichte der Delegationen hätten die Neugier geweckt und Reiseentscheidungen beeinflusst.

Ein Beispiel: Der Reiseführer Marco Polo nahm Basel letztes Jahr in seinen Trendguide der besten Reisezeile für 2026 auf. «Verschlafenes Schweizer Städtchen? Denkste! Das hat der kunterbunte Eurovision Song Contest 2025 eindrucksvoll widerlegt», heisst es dort.

Mehr Touristinnen und Touristen

Die Übernachtungszahlen vom 2025 lassen sich zwar nicht ausschliesslich auf den ESC zurückführen, doch die Zunahme in der zweiten Jahreshälfte legt nahe, dass dies mit der gestiegenen Aufmerksamkeit zu tun hat.

Elia stellt seit dem Sommer 2025 eine deutliche Zunahme der Logiernächte im Freizeitbereich fest, vor allem an den Wochenenden. Dies helfe, den Geschäftstourismus zu kompensieren, der sich seit der Corona-Pandemie noch nicht erholt habe. Museen und Stadtführungen profitierten von der höheren Anzahl an Freizeitgästen.

Letztes Jahr legten gemäss Tourismusstatistik die Übernachtungen von Schweizer Gästen um 7,7 Prozent zu, bei den europäischen um 15 Prozent. Nebst dem ESC trugen auch die Fussball-EM der Frauen, der Weihnachtsmarkt und die Kusama-Ausstellung in der Fondation Beyeler dazu bei.

Zögerliche Entwicklung bei der St. Jakobshalle

Noch unklar ist der ESC-Effekt für den Austragungsort, die Joggelihalle. Grosse internationale Bands fehlen auf der Agenda. Es gibt aber positive Signale: «Wir haben aktuell mehr Anfragen für die St. Jakobshalle», schreibt Thomas Dürr, Geschäftsführer des Event-Unternehmens Act Entertainment.

Der ESC habe Basel sicher als Veranstaltungsort bekannter gemacht und eine sehr gute Visitenkarte geliefert. Hindernisse sieht Dürr bei der Infrastruktur und spricht von einer suboptimalen Verkehrsplanung. «Es scheint, als ob die Kantonsgrenze eine Grenze für eine Lösungsfindung ist und das ist seit 30 Jahren eine grosse Herausforderung», so Dürr.

Das Basler Präsidialdepartement hält fest, dass es noch den Sommer 2026 abzuwarten gelte. Sobald die Halle mit einer höheren Traglast ausgestattet sei, werde sich dies «voraussichtlich» positiv auf die Buchungen auswirken.

Gewerbe ist zufrieden

Auch die MCH Group setzt auf die Erfahrungen aus dem letzten Jahr. In den Messehallen fanden vergangenen Mai zahlreiche Nebenevents für ESC-Fans statt. Das Unternehmen wolle dies in den Gesprächen mit potenziellen Veranstaltern einbringen. Ob sich diese im Einzelfalle aufgrund des ESC für Basel entscheiden, lasse sich nicht immer mit Sicherheit sagen. Der Effekt sei jedoch spürbar und fliesse in die Kundengespräche ein, teilte eine MCH-Mediensprecherin mit.

Nicht nur Veranstalter, sondern auch zahlreiche KMU aus verschiedenen Branchen spüren einen ESC-Effekt. Firmen aus den Bereichen Eventtechnik, Bau und Messebau, Sicherheit, Logistik, Catering, Kommunikation und Reinigung erhielten Aufträge für den Anlass. «Viele dieser Unternehmen konnten ihren Namen international sichtbar machen, Referenzen sowie Erfahrungen für weitere Grossanlässe gewinnen und neue Kontakte knüpfen», so Daniel Schindler, Mediensprecher des Gewerbeverbands Basel-Stadt.

Nach Angaben des Kantons vom November löste der ESC schweizweit einen Umsatz von 248 Millionen Schweizer Franken aus. Der Region Basel brachte er 53 Millionen Franken an Wertschöpfung.

Der nächste ESC findet vom 12. bis 16. Mai in Wien statt.

(AWP)