Es gebe in Deutschland nur wenige Unternehmen wie Varta und schon gar nicht welche mit solch einer Tradition, sagte Sauer. Die Autoindustrie zum Beispiel lasse sich nicht von kleinen Start-ups beliefern, die brauche Unternehmen mit Qualität, Zuverlässigkeit und einer gewissen Grösse. «Wenn bei einer Zerschlagung jetzt der Gewinnbringer aus dem Unternehmen genommen wird, stellt sich die Frage, wie Innovationen finanziert werden können», sagte Sauer.
Mögliche Zerschlagung und Insolvenzantrag
Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank und die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox hatte diese Woche angekündigt, das Geschäft mit den bekannten Haushaltsbatterien aus dem Varta-Konzern ausgliedern zu wollen, und dies mit der angespannten Finanzlage des Unternehmens begründet.
Varta hat einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, wie das Unternehmen aus Ellwangen mitteilte. Ziel sei es, die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen. Das Geschäft mit den Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Experte: Varta technologisch sehr gut
«Technologisch ist das, was Varta macht, sehr gut», sagte Sauer. Letzten Endes sei aber alles eine Frage des Preises. «Damit kommen wir zu einem generellen Problem der deutschen Batterieindustrie. Wir verfügen nicht über eine grosse Volumenherstellung», sagte Sauer. In China gebe es diese sowie einen ruinösen Preiskampf. «Wir wissen schon lange, dass wir in dieses Dilemma mit der Abhängigkeit von China hineinlaufen», sagte Sauer.
Varta arbeitet unter anderem an Natrium-Ionen-Batterien, die als Zukunftstechnologie gelten. «Natrium-Ionen-Batterien sind für Europa eine echte Chance, um weniger abhängig von China zu sein, weil man über den Weltmarkt hierfür besser an die benötigten Rohstoffe kommt», sagte Sauer. Aus Sicht des Experten ist es jedenfalls keine Option, auf europäische Batteriehersteller zu verzichten.
2017 brachte der Österreicher Michael Tojner das Unternehmen Varta an die Börse. Tojner ist zu 50 Prozent an Varta beteiligt, die anderen 50 Prozent hält der Sportwagenbauer Porsche. In der Schweiz ist Tojner unter anderem als Verwaltungsratspräsident von Montana Aerospace bekannt.
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(AWP)
