Aktien Frankfurt: Nervosität und Sorge vor US-Stimmungsdaten aus der Industrie

Der Dax ist am Freitag angesichts erwarteter Verluste an der New Yorker Wall Street auf Talfahrt gegangen. Am Nachmittag büsste der deutsche Leitindex 1,03 Prozent auf 12 697,83 Punkte ein, womit sich im Wochenverlauf aktuell ein Verlust von 1,6 Prozent ergibt. Vor allem die Stimmungsindikatoren aus der Industrie bestimmen vor dem Wochenende den Gemütszustand der Anleger. Zum Handelsstart hatten zunächst schwache August-Daten aus Frankreich Sorgen ausgelöst, bis dann die deutschen Stimmungsdaten das Ruder herumreissen konnten. Sie waren besser als erwartet ausgefallen und weisen auf Wachstum hin. Nun wird mit Bangen auf die Daten aus den USA gewartet, die kurz nach dem Handelsstart der US-Börsen veröffentlicht werden.
21.08.2020 14:54

Der MDax gab zuletzt um 0,74 Prozent auf 27 006,48 Punkte nach. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 büsste 1,1 Prozent ein.

"Die deutsche Industriestimmung verbessert sich", schrieb Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. Das Wachstumsszenario für das dritte Quartal habe damit Bestand. Im Dienstleistungssektor jedoch hätten die Stimmungsdaten auf ganzer Linie enttäuscht. Zwar überrasche dies wegen wieder eingeführter Corona-Beschränkungen nicht, doch lasse das Ausmass an der Dynamik der Wirtschaftserholung zweifeln, zumal die Stimmung in der französischen Industrie ebenfalls keinen Anlass zur Freude biete.

Gezweifelt wird zudem zunehmend auch an der Dynamik der Erholung der weltgrössten Volkswirtschaft. Das Verarbeitende Gewerbe konnte sich dort zuletzt zwar deutlich vom Corona-Einbruch erholen, mittlerweile jedoch gehen Experte davon aus, dass die weitere Erholung langsamer ablaufen wird.

Aus Sicht von Markit-Direktor Andrew Harker steht die Eurozone "am Scheideweg". Entweder beschleunige sich das Wachstum nach der anfänglichen Belebung in den nächsten Monaten wieder - oder es gerate weiter ins Stocken. Die Entwicklung hänge dabei grösstenteils davon ab, "wie erfolgreich die Corona-Pandemie bekämpft werden kann und ob die Unternehmen und deren Kunden wieder die Zuversicht gewinnen, die für weiteres Wachstum unerlässlich ist." Diese Einschätzung gilt im Grunde ebenso für die USA.

Im Dax legten die Aktien von Covestro um 2,1 Prozent zu und war damit zweitstärkster Wert. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux strich seine Verkaufsempfehlung für das Papier des Kunststoffherstellers und hob das Kursziel kräftig von 28 auf 41 Euro an. Einige Absatzmärkte entwickelten sich besser als von ihm erwartet, schrieb Analyst Christian Faitz. Mit plus 2,6 Prozent nahmen die Papiere der insolventen Wirecard an ihrem letzten Handelstag im Dax die Index-Spitze ein.

Bayer indes gaben um 0,4 Prozent nach. Im US-Streit um mögliche Gesundheitsrisiken der Verhütungsspirale Essure einigte sich Bayer auf eine Vergleichszahlung von etwa 1,6 Milliarden US-Dollar (1,35 Mrd Euro), um rund 90 Prozent der insgesamt fast 39 000 in den USA eingereichten und noch nicht eingereichten Essure-Klagen beizulegen.

Im MDax gewannen die Anteilsscheine von CTS Eventim 1,1 Prozent. Tags zuvor hatten sie auf die vorgelegten Halbjahreszahlen des Konzertveranstalters und Ticketvermarkters mit kräftigen Kursschwankungen reagiert. Berenberg-Analyst Gerhard Orgonas lobte in einer Analyse nun: CTS habe sich in dem wegen Corona aussergewöhnlich schwierigen Jahresviertel erstaunlich widerstandsfähig gezeigt und nur begrenzt Barmittel verbrannt. Die Lufthansa -Aktien stiegen um 0,4 Prozent. Die Fluggesellschaft kommt bei den Ticketerstattungen voran.

Im SDax sackten die Papiere von Dermapharm als Schlusslicht um 7,6 Prozent ab. Die Halbjahreszahlen waren schwächer als erwartet ausgefallen und auch die Jahresziele nicht so deutlich wie erwartet angehoben worden. Ex Dividende wird an diesem Tag ausserdem die Aktie der Hafen- und Lagerhausgesellschaft HHLA gehandelt. Ausgeschüttet werden 70 Cent je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr. Sie erschien daher nur optisch besonders schwach.

Kräftig gehandelt wurden auf der Handelsplattform Tradegate ausserdem die Anteilsscheine des Mainzer Biotech-Unternehmens Biontech . Die an der Nasdaq erstnotierten Aktien stiegen zuletzt um 6,5 Prozent. Biontech und Forschungspartner Pfizer kommen bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Sars-Cov-2-Virus voran.

Der Euro geriet angesichts der insgesamt schwachen Konjunkturdaten deutlich unter Druck und wurde am frühen Nachmittag zu 1,1780 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1850 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,49 auf minus 0,52 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,14 Prozent auf 145,68 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,21 Prozent auf 177,34 Punkte zu.

(AWP)

 
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