Aktien Frankfurt: Steigende Renditen in USA und Italien-Sorgen belasten Dax

Steigende Zinsen am US-Anleihemarkt und die Ungewissheit um den Staatshaushalt Italiens haben am Montag den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax fiel vorübergehend unter die runde Marke von 12 000 Zählern. Am Nachmittag notierte er mit einem Minus von 0,91 Prozent auf 12 001,79 Punkte wieder knapp über dieser Marke.
08.10.2018 14:35

Am US-Anleihenmarkt war die Rendite zehnjähriger Staatspapiere zuletzt auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen. "Die Zinsangst hält die Märkte in Atem und Aktien bekommen jetzt echte Konkurrenz durch festverzinsliche Wertpapiere", sagte Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Bei steigenden Renditen am Anleihemarkt können Aktien als risikoreicheres Investment an Attraktivität verlieren. Zudem können höhere Refinanzierungskosten auf Unternehmen zukommen.

Am Montag ist der Anleihehandel an der Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen. Doch nicht nur in den USA steigen die Zinsen: Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatspapiere schnellte am Montag nach oben. Anleger verkaufen die Papiere angesichts der mit dem Staatshaushalt des Landes verbundenen Risiken. Die Renditen steigen im Gegenzug. "Investoren müssen sich mit einem Anstieg der Zinsen weltweit wohl oder übel anfreunden", sagte Stanzl.

Schlechte Nachrichten gab es zudem von der deutschen Konjunktur: Die Industrieproduktion sank im August den dritten Monat in Folge.

Der Index der mittelgrossen Unternehmen MDax fiel um 1,6 Prozent auf 24 868,92 Punkte zurück auf den niedrigsten Stand seit Februar. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,87 Prozent auf 3316,46 Zähler nach unten.

Weit abgeschlagen am Ende des Dax fanden sich die Aktien von Wirecard wieder. Sie brachen um fast 10 Prozent ein. Der Zahlungsdienstleister lädt am Dienstag zum Kapitalmarkttag. Ein Händler führte die Kursschwäche auf den Zinsanstieg an den Anleihenmärkten zurück. Dieser belaste vor allem die in den vergangenen Monaten stark gelaufenen Technologiewerte. Anleger machten daher erst einmal Kasse.

RWE weiteten die herben Verluste vom Freitag aus und gaben um weitere 2,9 Prozent nach. Der gerichtlich angeordnete Rodungsstopp im Hambacher Forst lastete erneut auf dem Aktienkurs, etliche Analysten senkten die Kursziele.

Die vom italienischen Staatshaushalt ausgehenden Risiken drückten auf die Bankenkurse. Deutsche Bank verloren 1,8 Prozent und Commerzbank 4,7 Prozent. Die EU-Kommission hatte sich am Freitagabend besorgt um die Finanzpläne der Regierung Italiens gezeigt. Diese aber will von ihren Vorhaben nicht abrücken. Italiens Anleihen gerieten unter Druck und belasteten den europäischen Bankensektor.

Nach anfänglichen Gewinnen gaben Aktien von Airbus um 0,4 Prozent nach. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern will laut Insidern den Chef seiner Verkehrsflugzeugsparte, Guillaume Faury, zum neuen Konzernchef machen. Die Entscheidung über die Nachfolge des scheidenden Airbus-Chefs Tom Enders solle an diesem Montag fallen.

Lufthansa gaben um 0,3 Prozent auf 19,60 Euro nach. Die Citigroup hat das Kursziel für die Papiere von 19,90 auf 18 Euro gesenkt und weiter zum Verkauf geraten.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,38 Prozent am Freitag auf 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,09 Prozent auf 140,07 Punkte zu. Der Bund-Future stieg um 0,34 Prozent auf 158,10 Punkte.

Der Euro fiel wieder unter 1,15 US-Dollar und notierte zuletzt mit 1,1475. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1506 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8691 Euro gekostet./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)