Bank Coop wird zur Bank Cler - BKB übernimmt Anteile von Coop

(Zusammenfassung mit Schlusskurs) - Der Detailhändler Coop verabschiedet sich vollständig von der gleichnamigen Bank und hat seine verbliebenen Anteile an die Mehrheitsaktionärin Basler Kantonalbank (BKB) verkauft. Nun erhält das Institut einen neuen Namen und eine neue Strategie: Es wird Bank Cler heissen und soll in den nächsten Jahren "substanziell" Marktanteile gewinnen.
23.03.2017 17:56

Coop besass zuletzt noch 10,4% an der Bank. Am (gestrigen) Mittwoch wurde diese Beteiligung an die BKB verkauft, womit diese nun 75,8% am Institut besitzt, wie die Bank Coop am Donnerstag mitteilte. Das Basler Staatsinstitut ist zwar schon seit 1999 Mehrheitsbesitzerin. Mit dem Ausstieg von Coop endet gleichwohl eine 90-jährige gemeinsame Geschichte: 1927 war die Bank Coop als "Bank der Genossenschaften und Gewerkschaften" gegründet worden.

Mit dem Abschied von Coop kommt es zu einem Namenwechsel. Das Institut nennt sich ab dem 20. Mai Bank Cler. "Cler" steht laut den Angaben im Rätoromanischen für "klar", "einfach" und "deutlich".

MEHR GEWINN AB 2019

Zudem gibt es eine neue Strategie. Die Bank will in den nächsten Jahren deutlich über dem Markt wachsen und so ihren Marktanteil in der Schweiz "substanziell erhöhen". CEO Hanspeter Ackermann bezifferte den aktuellen Marktanteil auf unter 2%. Ein konkretes Ziel mochte er zwar nicht nennen. Es bestehe aber die Absicht, bei der Anzahl Kunden klar zuzulegen. "Das soll sich ab 2019 auch in verbesserten Zahlen unter dem Strich ausdrücken", sagte er weiter.

Im laufenden und kommenden Jahr wird hingegen primär investiert. Eine Zahl gab es auch dazu nicht. "Fakt ist aber, dass wir heftig investieren; und dies wird auch die Cost-Income-Ratio in den Jahren 2017 und 2018 entsprechend belasten", sagte er. Die Aktionäre können sich trotzdem auf eine gleich bleibende Auszahlung einstellen. "Wir wollen auch in dieser Hinsicht ein konstanter und seriöser Partner bleiben", so Ackermann. Das Institut bezahlt seit Jahren eine unveränderte Dividende von 1,80 CHF.

Die Wachstumsstrategie basiert laut dem Firmenchef auf einem Ausbau des bestehenden Geschäfts. Es sei das Ziel, mit einfacheren Produkten die Kunden anzusprechen. Zusätzlich will das Institut mit einer "virtuellen Filiale" punkten, die Ende Mai bzw. Anfang Juni verfügbar sein soll und welche die 32 physischen Filialen ergänzen soll. Im Visier sind damit auch neue Kundengruppen: "Heute sind mehr als 50% unserer Kunden älter als 50 Jahre", räumte Ackermann ein.

BKB: "HÖHERE BEDEUTUNG"

Für die BKB macht der Ausbau der Beteiligung deutlich, "dass sie der Bank im Rahmen ihrer Konzernstrategie eine noch höhere Bedeutung beimisst", sagte BKB-Bankratspräsident Andreas Sturm gemäss dem Redetext einer Medienkonferenz. Während sich die BKB als Universalbank vor allem auf die Region Basel konzentriere, sei die Tochterbank in der ganzen Schweiz aktiv.

Sturm soll nun das Verwaltungsratspräsidium des Instituts übernehmen, der bisherige Präsident Ralph Lewin bleibt einfaches Mitglied des Gremiums. Dieses wird ausserdem verkleinert. Coop-Vertreter Reto Conrad, Gewerkschaftsvertreter Martin Tanner sowie BKB-Vertreterin Jacqueline Henn Overbeck treten zurück. Neu ins Gremium einziehen soll einzig Barbara Heller. Laut CEO Ackermann beansprucht die BKB damit nur zwei der sieben Sitze.

Eine offene Frage ist, ob die BKB irgendwann eine Komplettübernahme der BKB anstrebt. Diese Frage "kann ich nicht kommentieren", meinte der CEO dazu lediglich.

Trotz des Abschieds von Coop will die Bank ihre Zusammenarbeit mit dem Detailhändler fortsetzen. "Wir wollen die 90 gemeinsamen Jahre nicht über Bord werfen", sagte der CEO. Das Institut bleibe exklusiver Bankpartner für die Coop-Supercard, und auch die Bancomaten in den Coop-Filialen blieben stehen.

An der insgesamt freundlichen Börse schlossen die Bank-Coop-Aktien am Donnerstag 2,6% im Minus (SPI: +0,2%), dies bei überdurchschnittlichen Volumen.

rw/uh

(AWP)