«Die guten Dienste der Schweiz stehen weiterhin allen beteiligten Parteien zur Verfügung», sagte Monika Schmutz Kirgöz, Leiterin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Montag vor den Medien.
In erster Linie kümmere sich das Auswärtige Amt um die Schweizer Staatsangehörigen vor Ort. Gemäss Schmutz Kirgöz befinden sich rund 6600 Auslandsschweizerinnen und Auslandsschweizer in den Golfstaaten. Rund tausend Schweizer Reisende seien zudem bei der Travel-Admin-App registriert.
Die Anfragen an die EDA-Helpline und Vertretungen im Ausland seien in den letzten Tagen stark zurückgegangen. Daraus schloss Schmutz Krigöz, dass sich die Situation für Schweizer Reisende in der Golfregion entspannt habe.
1 Million Soforthilfe
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) gab am Montag bekannt, dass sie die humanitäre Unterstützung für die vom Krieg im Nahen und Mittleren Osten betroffene Bevölkerung verstärkt. Ein Unterstützungspaket von 6,5 Millionen Franken ist für den Libanon und Syrien vorgesehen. Davon stammen 3,5 Millionen Franken aus dem bestehenden Budget für humanitäre Nothilfe, während 3 Millionen Franken als zusätzliche Mittel freigegeben wurden. Die Hilfe sei eine Reaktion auf die gravierenden Auswirkungen des Krieges.
Für den Iran gibt die Schweiz 1 Million Franken als Soforthilfe frei. Sie folgt damit einem Nothilfeappell der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).
EDA will «Deeskalation in alle Richtungen»
Ziel der Schweiz sei es, zur Deeskalation beizutragen und der betroffenen Bevölkerung zu helfen. Man wolle alle diplomatischen Prozesse unterstützen, die zur Deeskalation und Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Parteien beitragen würden, sagte Schmutz Kirgöz. «Der Kommunikationskanal bleibt offen.»
Kontakt zu den beiden Konfliktparteien gebe es derzeit aber nicht, erklärte der anwesende Schweizer Botschafter Olivier Bangerter. Die müssten nun entscheiden, ob sie die angebotene Hilfe aus der Schweiz annehmen wollen. Laut Bangerter liegen die iranische und die US-amerikanische Position momentan weit auseinander und wären nur schwer vereinbar.
Für den Austausch sei eine physische Präsenz der Schweizer Vertretung in Teheran nicht zwingend nötig, meinte Schmutz Kirgöz. Botschafter Bangerter informierte die Medien am Montag auch über seine Ausreise aus dem Iran. Die lange Fahrt über Land sei «sehr gut» und ohne Zwischenfälle verlaufen.
Die Stadt und Kollegen zurückzulassen, sei aber nicht leicht gewesen. Der Entschluss zur Ausreise wurde aufgrund einer Risikoeinschätzung gefällt. Es sei schwer, den richtigen Moment dafür zu bestimmen. Unter akzeptablen Umständen nach Teheran zurückkehren zu können, habe für den Botschafter Priorität.
Kein Bunker nach Schweizer Standard
Über hundert Explosionen gab es täglich in und um Teheran, wie Bangerter erzählte. Schutz gesucht hätte er mit seinen Mitarbeitenden im Keller der Botschaft - ein Schutzraum nach Schweizer Standard sei das allerdings nicht gewesen. Für die Bevölkerung im Iran bleibt die Situation schwierig.
Für Schmutz Kirgöz kamen die koordinierten Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran «unerwartet». In Genf habe man Ende Februar noch an eine Lösung geglaubt, die diplomatischen Bemühungen des Oman seien vielversprechend verlaufen. «Es gab Hoffnung», sagte Schmutz Kirgöz rückblickend. «Einige Stimmen meinten, so viele Zugeständnisse hätten die Iraner noch nie gemacht.»
Die Iranerinnen und Iraner hätten in den letzten 47 Jahren viel durchmachen müssen, meinte Bangerter auf die Frage eines Journalisten. Dass es ihnen unter den aktuellen Umständen gut gehe, sei seiner Meinung nach «nicht möglich».
(AWP)
