«Das Auszahlungssystem ist mittlerweile stabil und funktioniert zuverlässig», sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Mittwoch an einer Video-Medienkonferenz. Die Performance des neuen Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen Asal 2.0 werde laufend verbessert - die Fortschritte zeigten sich beispielsweise im steigenden Auszahlungsvolumen.

Cosandey räumte aber ein, dass aktuell noch Rückstände bei Neuanmeldungen bestünden. «Manche Arbeitslose müssen weiter warten auf ihre erste Auszahlung.» Zwar würden auch diese Altlasten kontinuierlich abgebaut. Dafür müssten aber viele Mitarbeiter der Arbeitslosenkassen weiterhin Überstunden leisten. «Es geht noch mehrere Wochen, bis wir wieder im grünen Bereich sind.»

Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist gesetzlich garantiert. Für Betroffene in finanziellen Engpässen stehen laut dem Seco Vorschusslösungen zur Verfügung. Betroffene seien gebeten, direkt mit der zuständigen Arbeitslosenkasse Kontakt aufzunehmen. Seit Januar wurden Vorschüsse für insgesamt 3791 Personen geleistet, mit einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Franken.

«Kommunikativ ungeschickt»

Er wolle nichts schönreden, sagte Cosandey weiter. «Die Geschwindigkeit des neuen Systems ist noch nicht dort, wo wir sie wollen.» Immerhin sei die Situation deutlich besser als im Januar, als 150'000 Arbeitslose ihre Dokumente nicht digital einreichen konnten und Mitarbeiter der Arbeitslosenkassen nach Hause geschickt wurden, weil das neue System nicht stabil war.

Auf die Frage einer Journalistin, ob der Bund Vertrauen verspielt habe, gab der Seco-Kadermann Fehler zu. Anfang Jahr habe seine Behörde «kommunikativ ungeschickt» agiert, sagte er. Ende Januar habe man das eingesehen. «Seit Februar kommunizieren wir offen.»

Bei der schweizweiten Einführung des neuen Systems am 6. Januar habe das Seco mit Kinderkrankheiten gerechnet, so Cosandey weiter. Jedoch habe man nicht damit rechnen können, dass gleichzeitig ein anderes System ausfalle.

«Wir haben den tiefsten Punkt hinter uns», zeigte er sich zuversichtlich. Ein grosser Teil des Rückstands habe aufgeholt werden können. Versicherte könnten die Dokumente seit Februar wieder digital einreichen, weshalb es zu weniger Besuchen an den Schaltern der Arbeitslosenkassen komme. Jedoch bestünden weiterhin Herausforderungen technischer und menschlicher Natur.

Neue Server in Betrieb

Cosandey sprach von einem «grossen Sonderaufwand», den Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen zu leisten hätten. «Sie machen am Morgen, am Abend, teilweise auch am Wochenende Überstunden, um den Rückstand aufzuholen.» Es brauche viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz.

Etwas besser sei die Situation bei der IT. Deren Mitarbeitende müssten nicht mehr Brände löschen, sondern könnten endlich die Geschwindigkeit des neuen Systems verbessern. Erste Erfolge sind laut dem Seco schon erzielt worden. So seien beispielsweise neue Server in Betrieb genommen worden.

Insgesamt bewerteten die IT-Fachleute die Situation in der ersten Februarwoche mit einem Durchschnittswert von 1,96 - auf einer Skala von eins bis zehn. Mittlerweile sei dieser Wert bei 4,85.

Das Thema beschäftigt auch die Politik. In der Frühjahrssession hielt Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin in der Fragestunde des Nationalrats fest, dass der Rückstand bei der Auszahlung von Taggeldern bis zum Sommer aufgeholt werden solle. Die Geschäftsprüfungskommission des Ständerats (GPK-S) ist an Abklärungen. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Projekt befasst.

(AWP)