Ganz entspannt gibt man sich im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) aber nicht. Die weitere Entwicklung im Iran-Krieg und beim Zugang zur Strasse von Hormus seien zurzeit nicht absehbar, heisst es. Die globale Versorgungslage bleibe unverändert angespannt.

Die Verantwortlichen der wirtschaftlichen Landesversorgung würden die Situation genau beobachten, so das BWL weiter. Für den Fall eines Versorgungsengpasses seien Massnahmen vorbereitet: Unter anderem könne der Bund, Pflichtlager freigeben.

Freigabe von Pflichtlagern

Genaueres war auf Anfrage nicht zu erfahren. «Über allfällige Bezüge aus Pflichtlagern informieren wir nicht im Voraus», sagte ein BWL-Sprecher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Freigabe der Pflichtlager kann gemäss BWL innert einiger Arbeitstage erfolgen.

Zuletzt wurden die Pflichtlager Im Sommer und Herbst 2022 geöffnet. Dies unter anderem als Folge von Einschränkungen des Schiffsverkehrs wegen des tiefen Wasserstands auf dem Rhein und Ausfällen im Schienenverkehr. Dazu seien Streiks in Frankreich gekommen und technische Probleme bei der Produktepipeline aus Südfrankreich.

Bei Diesel und Benzin könnten die Pflichtlagerbestände den nationalen von 4,5 Monaten decken. Beim Flugpetrol sollten es drei Monate sein. Aktuell seien es aber nur 71 Tage beziehungsweise 2,5 Monate. Die starke Zunahme des Flugpetrol-Absatzes nach der Covid-Pandemie sowie Marktverschiebungen bei den Importeuren hätten zu einer verzögerten Einlagerung geführt.

IEA erwartet sinkende Ölreserven

Die internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen der Folgen des Iran-Kriegs mit einem Abschmelzen der Ölreserven und einem stärkeren Rückgang der weltweiten Nachfrage nach Ölprodukten. Angesichts lokaler Versorgungsengpässe arbeiteten Regierung und Unternehmen daran, den Ölverbrauch einzudämmen, heisst es in dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht.

Mit der Freigabe von Notfallreserven durch führende Volkswirtschaften wie die USA, Japan oder Deutschland hätten sich die weltweit erfassten Öllagerbestände in den Monaten März und April deutlich verringert, so die IEA weiter Der Markt werde bis Oktober «massiv unterversorgt» sein.

Auch das BWL rechnet mit langfristigen Folgen des Kriegs. Die Normalisierung der Versorgung nach einem allfälligen Ende des Konflikts werde Monate dauern, heisst es im aktuellen Lagebericht. Die Reparatur und Wiederinbetriebnahme der Energieinfrastrukturen sowie die Zeit, bis erste Schiffe wieder in Europa ankommen würden zu Verzögerungen führen.

(AWP)