«Die Landwirtschaft ist von der Trockenheit hart getroffen», sagte Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). In allen Regionen hätten sich Regendefizite aufgebaut, der Jura und östliches sowie westliches Mittelland seien besonders stark betroffen. In den letzten Tagen habe es dort bis zu 80 Prozent weniger geregnet als die Norm.
Laut Hofer hilft der Bund etwa mit früheren Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe und der Aufhebung der Zölle auf Heuimporte per 1. August. Eine Senkung der Einfuhrzölle auf Futtermais per 15. August wurde am Freitag angekündigt.
Seit 2025 gebe es zudem Prämienverbilligungen bei Ernteversicherungen, die der Bund zu 30 Prozent trage, sagte Hofer. Langfristig gesehen sei es aber eine gesamtgesellschaftliche Frage.
Die Betriebe setzten gemäss Hofer etwa auf bessere Bewässerungsinfrastruktur, andere Pflanzensorten oder schonenden Anbau. Doch auch die Konsumentinnen und Konsumenten würden entscheiden, was sie essen oder trinken wollten; dies sei der Standpunkt des Bundesrats.
Belastung für Tiere
Der Anlass fand zwischen den von der Trockenheit gezeichneten Feldern des Genererationenbetriebs Zumbrunn statt. Dessen Hauptbetriebszweig ist eine Milchwirtschaft mit 40 Kühen plus Nachzucht, wie Landwirt Elias Zumbrunn sagte. Die Tiere würden viel im Stall stehen, wo es Grossraumlüfter gebe.
Besonders leidende Tiere dusche man laut Zumbrunn zwei- bis dreimal am Tag ab. Dennoch sei ihr Immunsystem geschwächt und sie litten eher an Durchfall und anderen Keimkrankheiten. Und es gebe noch ein weiteres Problem: Futtermangel.
Während man die Grasmatten dieses Jahr schon zweimal mit durchschnittlichen Erträgen habe abernten können, sei für den üblichen dritten Schnitt ein hundertprozentiger Ausfall zu verzeichnen. Und durch die Trockenheit würden sich Maiskolben auch nicht richtig ausbilden.
«Die Situation reisst uns ein Loch in die Vorräte und die Futterhändler nehmen das Telefon schon gar nicht mehr ab», sagte Bruno Zumbrunn, Elias' Vater. Der Betrieb produziere das Futter für seine Tiere grundsätzlich selbst. Es würde eine Katastrophe sein, wenn man die Tierzahl beschränken müsste.
Das unternimmt der Betrieb
«Wir passen uns an», sagte Bruno Zumbrunn weiter. Man investriere in einen zukunftsgerichteten Stallneubau mit PV-Anlagen und habe einen Regenwassertank mit einem Volumen von 300'000 Litern gebaut. Und mit einer Biogasanlage könne aus Methan pro Kuh vier bis sechs Kilowatt Strom pro Tag generiert werden.
Zudem nimmt der Hof am «Slow Water»-Projekt der Kantone Baselland und Luzern teil. Dieses wurde von Projektleiterin Sereina Grieder vorgestellt. Dessen Ziel sei es, immer häufiger auftretende Extremereignisse abzudämpfen, wie trockene Sommer aber Starkregen.
«Slow Water» strebt zum Beispiel den langsameren Abfluss von Wasser an, wie Grieder erklärte. Das könne etwa durch den Aufbau von Humus durch mehrjährigen Aufbau von Kunstwiesen erreicht werden. Kleine Gräben könnten Wasser auffangen und versickern lassen, und auch Hecken und Bäume würden dabei helfen. Die Universität Basel unterstütze das Projekt Wissenschaftlich und kreiere auf andere Gebiete übertragbare Modelle.
(AWP)
