Die Verteidigung hatte den Ausschluss der Öffentlichkeit aufgrund der angeblichen Bedrohungen für den Angeklagten und seine Familie nachdrücklich gefordert und auch erhalten. Der Chef der Öl- und Gasfirma Petrosaudi behauptete, bis zum Tod von König Abdullah im Jahr 2015 für die saudi-arabische Königsfamilie tätig gewesen zu sein. Der schweizerisch-saudische Doppelbürger soll seitdem in Ungnade gefallen sein.

Der Ausschluss der Öffentlichkeit wurde von seinen Anwälten ausgiebig genutzt, um ihn zu seiner beruflichen Situation und seinen Erfahrungen zu befragen. Wie der andere Angeklagte zuvor erklärt hatte, soll Petrosaudi mit einem der Söhne des Königs, Prinz Turki, gegründet worden sein, um als Investitionsvehikel mit Ländern zu dienen, die für das Königreich wichtig sind. Diese Behauptung sollte die Aussagen des anderen Angeklagten untermauern, der angab, dass viele Befehle «von oben» kamen, wobei nicht klar war, von wem.

Verteidigung auf Konfrontationskurs

Der Vormittag war von mehreren Konfrontationen zwischen dem Gericht und der Verteidigung geprägt, da Letztere sich immer wieder einmischte. Der Ton verschärfte sich insbesondere, als eine Anwältin einem der Richter vorwarf, über die Aussagen ihres Mandanten zu lächeln.

Anschliessend spielte der Angeklagte die Aussagen des Whistleblowers herunter, ein ehemaliger Angestellter von Petrosaudi, der den Fall 2016 aufgedeckt hatte. Dieser Mann habe untergeordnete Funktionen wie Zahlungen, das Ausdrucken von Dokumenten, Einkäufe usw. übernommen und hätte keine Kenntnis vom Geschäftsverlauf gehabt.

Wie sein Mitangeklagter seit Anfang der Woche machte auch der Petrosaudi-Chef von Gedächtnislücken geltend, als er mit einigen seiner eigenen E-Mails konfrontiert wurde. «Ich habe nicht alle meine E-Mails verwaltet, das haben andere gemacht».

Trotz seines Titels habe er sich nicht in das operative Geschäft eingemischt, da er von seinen Aufgaben im Dienste der königlichen Familie vereinnahmt worden sei, sagte er.

Angeklagte mit Erinnerungslücken

Was die Beziehungen zwischen der Genfer Firma und dem malaysischen Staatsfonds (1MDB) betrifft, hielt sich der Angeklagte ebenfalls bedeckt. Beispielsweise war er Mitte August 2009 auf der Jacht «Alfa Nero» vor Cannes anwesend, konnte sich aber nicht mehr genau erinnern, wer dort war. Bei diesem Treffen zwischen Prinz Turki, dem damaligen malaysischen Premierminister Najib Razak und seinem Berater Jho Low wurde die Idee einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Gesellschaften ins Leben gerufen.

Auf die Frage nach der Rolle von Prinz Turki betonte der Angeklagte ausdrücklich die Diskretion der königlichen Familie in ihren privaten, geschäftlichen und politischen Angelegenheiten. Diese wolle nicht öffentlich in Erscheinung treten und lasse sich daher von anderen Personen aus ihrem Umfeld vertreten. Der Angeklagte wollte sich nicht weiter dazu äussern.

Während der einwöchigen Anhörung verfolgten die beiden Angeklagten ähnliche Strategien: schlechtes Gedächtnis, Unwissenheit, Verharmlosung der Verantwortung. Dagegen brachten sie alles vor, was tatsächlich Aktivitäten von Petrosaudi belegen konnte, wie zum Beispiel den Betrieb von zwei Ölförderschiffen.

Die beiden Angeklagten müssen sich wegen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, über das von Petrosaudi und den Staatsfonds gegründete Gemeinschaftsunternehmen 1,8 Milliarden US-Dollar zum Nachteil von 1MDB veruntreut zu haben. Die beiden Männer sollen persönlich davon profitiert haben, ebenso wie Najib Razak und Jho Low.

Der Prozess ist bis Ende April angesetzt.

(AWP)